angelikademel

12. November 2009

Für Phillippe

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 10:40

Brief an Phillippe

 

 

Du Lieber!

Mein Liebster ,mich entjungferter Held, ohne Held zu sein , sein zu dürfen, zu wollen, zu müssen,

ach wie nützlich sind Hilfverben doch beim Dichten.

Du hast viel gedacht, liegst richtig ,dennoch falsch.

 

Manchmal denkt das Kind es wird therapiert, manchmal denkt das Kind es bekommt Schneebälle zurück, und es nimmt sie auf und wirft sie

dem andern ins Gesicht und lacht dabei.

 

Nein, kein falsches Lachen, oder doch? Hätte sie nicht werfen dürfen..oh ja sie muß immer fröhlich sein, sie vergaß, sie vergaß.Sie nimmt dann ihre Zündhölzer und geht dahin, Phillippe. Sie geht dahin, du brauchst nicht schauen kommen.

 

Heute Morgen hört sie Musik und die Morgen sind immer wie kleine neue Leben, so wie damals in der Grotte als Kind, wo man sich sicher wähnte bei Maria. Da kamen auch Lebenszeichen von der schönen edlen Braut zu den Kindern im weißen Kleidchen.

Die Hand zitterte meistens ,wenn das Kind die Kerze hielt. Der Vater war am Tag der Kommunion über die edle Kerze gefallen , die Kindin starb vor Angst, denn sie war zweimal gebrochen und sie zitterte, ich noch mehr , wenn sie in die Messe gingen. Maria tröstete  sie  und das Kind hatte weniger Angst vor der Schmach ihres zerbrochenen Herzens zwischen all den Bräuten, die andächtig zu Maria blickten.

 

Phillippe , mein Geliebter, es ist so, ich kann mich ver-leiben , ver-lieben, ent-lieben und ent-leiben. Der Quantensprung der Gefühle ist dabei das Schmerzliche..

Ich lasse es auf mich zukommen, werde die nächsten Tage darüber nachdenken und Sprünge geschehen lassen. Ich habe es nicht im Griff.Du hast mich nicht. Der Griff nach mir ist Traum Phillippe, ein junger Traum, kaum geschlüpft.

 

Auf der Bühne fühle ich mich sicher und es ist durchaus ein Teil von mir, auch wenn ich meine Seele verkaufe. Mitspielen will ich schon lange nicht mehr ,ich werfe einfach alle Einladungen zum Kindergeburtstag weg. Am Sonntag bin ich von einem Tänzer eingeladen , ich soll zum Tanzen kommen…ich schmücke das Tanzparkett immer so trefflich…jajaja Phillippe. Wieso tanzt du nicht mit mir?

 

Dennoch bin ich gestern nicht ins Kino. Ich hatte es mir mit dir ausgedacht. Wäre ich mit einem andern Spielgefährten gegangen, hätte ich den Film entweiht und auch meine Liebe, die keine ist ,oder doch, ja doch. Nein ,nein ruft der Schmerz…du darfst nicht lieben, du darfst nicht…du darfst nur retten und beschützen…lieben ,nein….wie profan..wie lächerlich, wie abgenutzt, wie schmutzig ….und doch diamanten bei besondrem Licht.

 

Ich werde mich fallen lassen in mein Leben, so wie ich es immer getan habe und ich werde nicht mehr über Zeitfenster nachdenken, ich denke, dann erledigt sich alles von selbst. Wie auch immer..Die Toten geben mir keinen Trost, wenngleich der Tod mir keine Angst macht, nur der Weg dorthin.

 

Überflüssig fühle ich mich nicht, ich muß doch immer alle retten, ich muß doch alle vom Selbstmord abhalten, ich muß ich muß…ach ja……sagt das Kind und sinkt dahin.Du kannst es fangen.Jetzt oder im Morgen danach.

 

Alles Liebe

Margrite

11. November 2009

Margrite und Phillippe

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 10:32

 

Am Morgen

 

Heute würde sie ihn sehen. Angerufen hatte er in der Nacht als sie schon schlief. „ich will dich treffen , ich will dich lieben…..meinst du wir können uns lieben?“ er fragte fordernd, sie wusste keine Antwort.

Sie wollte jaja, aber sie fühlte sich so arm an Liebe , sie spürte eine Leidenschaft, jaja sie spürte sich gefangen in seinen Worten und in seiner Hand, wenn er sie nahm.

 

„Wann soll ich kommen?“ fragte Margrite sehnsüchtig am nächsten Morgen während sie im Bad stand und das Haar kämmte. Der Spiegel lachte sie an , während sie in den Telefonhörer summte. „Ach es geht heute doch nicht…“war Phillippes Antwort.

 

Er wollte nur wissen, ob sie ihm gehorchte, ausloten die Macht seiner Liebe , die Möglichkeiten des Lebens ,die ihm  entgegenliefen auf dem Bordstein einer Nacht .betrunken vor Gier .

 

„Ich will dich nur eine Minute sehen, bitte“ sie bettelte und hörte ihre Stimme mit Befremden…er schwieg.

Zorn kam in ihr auf, sie kannte das Gefühl, diese Wut. Ein Waisenkind war sie gewesen, einsam, frierend im Winter und fröhlich im Sommer im Heu und im Stroh.

Ein Kind ohne Eltern , nur mit der Last die Schwester zu pflegen und nun Phillippe….. der sie adoptiert mit seinem Herzen und seinem Wort.

 

„Warum schweigst du, meine Blume, mein Herz, meine Sonne, mein Licht…du, du …“  er freute sich über sie so zu sprechen und sie weinte ein wenig.Er wusste, dass sie weinen würde, ja er wusste, er rechnete damit. So sehr liebte er ihre Tränen, ihr reines Gefühl, das weiße Gefühl, das erdene, das was er nie bekam und womit er nie rechnete, da man ihm gesagt hatte, dieses Gefühl gäbe es nicht.Illusion, ja Illusion sei es.

 

Sie stockte mit der Stimme, er spürte es..“ich will dich doch auch sehn, muß heute wegfahrn, muß nach Frankfurt mit dem Zug …hast du heute keine Patienten..?“

 

Natürlich, dachte sie, ich die Waisin ohne Hemd ohne Schuh, ich darf nicht glücklich sein, ich darf nicht lieben, denn sonst nehme ich den andern die Liebe weg. Es ist doch besser, wenn die andern harmonisch sind, dann muß ich mich nicht mehr um sie sorgen und so schnurrte sie in den Hörer

„ich bin doch froh, wenn es dir gut geht, ich bin so froh dass ich dich habe. Ich stehe gerne auf, ich arbeite gerne, ich bin nett zu den Menschen. Wenn ich deine Stimme höre, bin ich glücklich, so glücklich, du bist da, du bist da….“

 

Phillippe wurde es so warm ums Herz und er spürte auch diese Begierde ,sich an Margrite zu bedienen, sie zu

besitzen, sie nur für einen Augenblick zu halten und er rang mit sich, den Termin in Frankfurt abzusagen. Aber er brauchte diesen Auftrag, dringend. Margrite war seine Kindin , sie  kannte ihn besser und von einer Seite, die er gerade selbst an sich entdeckte.. „ich brauch über dich gar nicht nachzudenken, mir nur dein Bild vor Augen führen dann lache ich innerlich und es geht mir wirklich gut, ich spüre keine Schmerzen mehr.

Ich setze mich hin und die Arbeit fliegt mir von der Hand in die Welt, überall fragen sie nach mir, rufen mich an, loben mich..“

murmelte er ins Telefon und Margrite weinte vor Freude.

 

Sie beschlossen, sich am Abend zu treffen . Sie würde sich von George losreißen , ihm erzählen ,sie müsse noch arbeiten und sie würde hinauflaufen auf den Michelsberg, dort wo er wohnte und wo er schon so viele andere Frauen geliebt hatte, egal.“ach du ,ach du mein Geliebter…“ 

 

sie sang wie Lara aus Doktor Schiwago..so hoch, so hell und bitterzart, sie die Kindin, die Waisin…..

 

“ich warte auf dich und ich freu mich, ach ich freu mich. Ich mag es,wie du meine Worte anziehst und damit hinausgehst. Ich vermisse dich und ich vermisse deine Hand und deine zärtlichen Worte, du machst mich trunken ,bin schon süchtig, schlage Purzelbaum bei jedem Lebenszeichen und spüre dennoch wie mich die Sonne verbrennt´.

So viel Leidenschaft , Tragik,  Liebe, Schmerz, Augenblick, Vergängliches und so viel Hoffnung und Nahrung von dir, mein Lieber…. möge es dir gut gehen, mögest du gut zugedeckt von meiner Liebe Wort zwischen den Nebelraben ein Lied singen……“

 

Phillippe hörte fasziniert zu…was entglitt hier  ihrem blutroten Mund ,ihrem Grund …..so schön, so nie gewesen, so

Fremd, so neu…und doch alt…

 

„Ich mag es wenn du singst. Das ist  Geburt, das ist Morgen, das ist helles Dunkel…das bist DU.

Ich umarme dich mit meinem Mund.“

 

Schnell zog sie sich an, sagte dem Spiegel Ade und rannte pfeifend die Kapuzinerstraße entlang.

Kalt war es geworden, sie fröstelte .

6. November 2009

Margrite

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 19:12

Short cut

 

 

In ihrem schönsten Kleidchen schleppte sie sich ganz krank und weh  zur Arbeit in der Nähe der Michaelskirche .Sie lächelte und trällerte beim Anblick ihrer traurigen Patientin. Immer , ja immer lächeln, ja immer leben, so schön das Leben so schön alles, sich nicht verraten, sich nicht verkaufen, sich nicht verschenken…nie mehr nie mehr……sie wirkte gequält.

 

„Wie geht es Ihnen………….?“ doch sie hörte nicht zu .Sie war traurig. Sie hatte Phillippe fünf Tage nicht gesehn. Ein Halodri war er, ein Lump ….aber ein Lieber…er konnte so schön Liebes sagen. Manchmal flüstern…ja und lieben konnte er …..nein , nein…er war gefangen in seiner Rolle .  Unmutig war er, trotzig war die Kind`in..jaja, aber klug und wunderbar….ach so wunderbar, so weich und so hart. Die Kind`in kämpfte mit den Tränen

 

Liebt er sie noch, denkt er an sie? Wieso fühlt sie auf einmal so romantisch, sie die Tüchtige, die vom Realen so sehr Geimpfte? Was ist ihr bloß geschehen, wie tief hat er sie angerührt, den Nerv an der Wurzel filletiert? Wie konnte er das schaffen, kann er denn zaubern? Sie spürte wie sie wütend wurde bei der Idee, er könne in ihre bunte Kulisse eindringen, die sie gemauert hatte in all den Jahren der Entbehrung.

 

„Mein Mann betrügt mich …da bin ich sicher“……..“ach sicher,“ dachte Margrite,“was ist schon sicher…?“

„Ein filou ist er ,ein Weiberheld, vor keinem Schurz macht er halt…“ klopft es an ihr Ohr….

Sie nickt….stimmt….so ist es…..“nein, er ist ein wundervoller Mensch…ich liebe ihn so..“   und die Patientin heulte. Margrite sah sich aller psychologischen Fähigkeiten beraubt…..“jaja….das ist doch nicht so schlimm….leben sie doch auch ihr eigenes Leben…jaja ich verstehe daß Ihnen das weh tut…!“

 

Tut es weh, tut es wirklich weh…ach nein, es schmerzt…es schmerzt ,es macht krank, es fiebert in der Brust, es flackert im Leib. „…Will nicht verbrennen, will nicht verglimmen in der Glut…“ flüsterte Margrite hastig vor sich hin….“ich habe Sie nicht verstanden…..?“ Ein fragender Blick, ein offener

Mund , Tränen auf dem Tisch…..

“Nein, nein, es ist nichts…erzählen Sie weiter…“stammelte Margrite..

 

So entsetzlich krank und schwach…will nicht schwach sein…will eine Kerze anzünden….bin barmherzig…ja bin barmherzig……oh Phillippe wann seh ich dich?……“ich werde ihm wieder verzeihn“ meinte die junge Patientin……“ich glaube ich kann ohne ihn nicht atmen nicht, herzen, nicht

leben…“…….so hallte es im Raum und Margrite sah auf…..ja Recht hatte sie, aber ist es gut? Nein es ist nicht gut….oh doch es ist wunderbar……barmherzig will ich sein…..und gütig.

 

Die Michaelskirche läutete zur vollen Stunde.So mundig so klar.

 

Margrite machte das Licht aus.  Sie sah Phillippe, als stünde er vor ihr und fügte ihr die Liebesschmerzen zu.

Was ist das schon…Liebe? Schmerz und Heilung, Wahn und Schönheit, jenseits des Verstandes? Woher kennt sie das Gefühl, das grundlos sie erfasst und überschwemmt? Der Kuß ist  nur ein Instrument, ein Schlüssel, der in Räume führt, die Philipp, so als sei er  blind, wohl neu erfindet.

 

Die Lippe brannte. Ja Phillippe, du spielst die Hauptrolle in diesem Ensemble..und ich

souffliere…manchmal bin ich die Regisseurin mit dem Zeigestab…die Rollen wechseln im Kreis….wenn du Regie führst ,bin ich hilflos..welch neues Gefühl..oder doch ein Empfinden aus alter Zeit.? Ja sie kannte es. Sie erinnerte sich an das Heu im Sommer, das so verführerisch roch ,in das sie sich legte und die Beine zusammenkniff, weil sie mutig war. Die Hände waren schnell, die Beine flink und die Münder so warm ,so voll, so ergriffen und die Worte blumig in diesen Tagen der alten Zeit, so daß die Liebenden Bücher schrieben und sich alles merkten ,um nie mehr zu vergessen diese vermaledeite Lieb`, diesen elendigen Schmerz im Spätsommer

einer Heuernte.

 

Sie rannte heim zu Iphigenie. Ob George heute kommen mag…schoß ihr durch den Kopf…oh ja, laß ihn kommen und den Schmerz trinken und ihr die Hand halten und sie trösten. Eine Wolkenreiterin war sie, eine Sonnenguckerin und eine Sternensammlerin am Horizont….ja George würde sie halten , aber den Schmerz..das Heu und den Duft…nähme er ihn ihr weg?

Sie wußte es nicht…wollte sie es denn? Wollte sie es wirklich…..?

 

Phillippe erschien am Horizont im blauen Mantel, sie vernahm ganz deutlich seine Stimme, der sie verfallen war im Eichenlaub, am Kastanienbaum, wenn der Wind kam und der Regen und die Nebel.

Sie teilten sich die Kostbarkeiten und warfen sich tausend Worte zu und Küsse…so bunte Küsse…bis es warm wurde.

4. November 2009

Margrite

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 17:39

 

Margrite in der Stadt

 

 

 

 

Der Tag begann an diesem Mittwoch sehr trist. Phillippe war nicht erreichbar und Margrite kränkelte.Ihr tat der Buckel weh und sie vermied es, sich zu strecken. Zudem hatte Phillippe ihr eine große Blase mitten in die Lippe geküßt. „By god,“ sagte der Spiegel deprimiert,“ siehst du entsetzlich  aus.“

 

Iphigenie ließ sich nicht blicken. Sie war in tiefer Kränkung versunken, verweigerte das Futter und auch die Liebe ihrer Herrin.

 

Margrite konnte sich an diesem Tag nicht entscheiden , ob sie zuhause bleiben oder der Inselstadt einen Besuch abstatten sollte. Sie lag auf der Couch und drehte sich von einer Seite auf die andere und grübelte still.

 

 

Am späten Nachmittag  zog sie sich ein schwarzes Kleid an , giftgrüne Handschuhe, dazu kleine Puppenstiefel ,die

wärmten mit dicken Stulpen bis zu den Knien. Den rechten Ärmel schmückte sie mit einer knallroten Kirschkette, die bei jeder Bewegung ein leises Klingeln von sich gab. Es sah ein wenig aus wie ein Hundeband für ganz kleine Hunde, wie sie die besseren Damen früher in den Betten bevorzugten, wenn die Männer nicht zur Verfügung standen.

 

Sie strahlte wie ein kleiner Pfau, die Kind`in, als sie dann am Spiegel vorbeischlenderte, der erschrak, da er sie nicht erkannte.

 

Sie lief los und schlenderte von der Kapuzinerstraße, wo sie wohnte ,zum Kranen , traf den einen oder andern Freund. „Jaja, es geht gut, lasst mich in Ruh`“ murmelte sie in ihren punkfarbenen Schal, denn ihr war heute nicht nach Reden. Die Menschen schauten sie an, aber sie sah zur Seite.Es interessierte niemanden wirklich was in ihr vorging, es interessierte nur , ob sie zur Unterhaltung beitrug.Man konsumierte sie wie man die Entertainer in den Vorabenshows konsumierte, kritiklos und inflationär.

 

 Am Kranen schaute sie in den Fluß und überlegte, ob sie wohl in ein Boot steigen würde, wenn es denn käme. So wie die Touristen, die ihren Kindern , den Omas und den Kameras den Main zeigen wollten und Klein Venedig und ein bischen „Weltkulturerbe“ …nur ein bischen…um ihre Schuld abzuarbeiten, die sie

im Laufe des Lebens bekamen, da sie von immer  mehr Technik, aber immer weniger Kultur ernährten.Kultur brachte kein Geld, Kultur war Schmuck, Kultur war keck, Kultur wurde benutzt ,um sich zu zeigen.

 

Eigentlich war die Stadt eingeschlafen sehr früh, sehr schnell. Die Menschen liefen behäbig und plauderten in den Gassen über die neuen Toten der Schweinegrippe, oder über die Verstorbenen und ihre Rast in den Gräbern. Die Marktfrauen am grünen Markt vor der Martinskirche wischten sich den Rotz der kalten Jahreszeit an ihren Schürzen ab, die über ihr Bäuche gebunden waren, so als würden sie immer dort hängen , als wären sie Teil ihres Körpers.“Sie kommen sicher schon mit Schürze zur Welt „, grinste Margrite in sich hinein.

 

 

 Der Blick zu Rathaus war heute trübe und es roch nach Benzin und vergammelten Schuhn. Einige Straßensänger spielten schräg mit klammen Fingern und sie schaute über die Brücke. „Man sollte die Bamberger unter Artenschutz stellen“ dachte sie sich ,als sie den

langsamen Bewegungen der Menschen zusah und ihren gemütlichen Begegnungen auf der Unteren Brücke auf dem Weg in die Sandstraße.

 

Sie merkte wie ihre Füße sie Richtung Michelsberg trugen und wie sie sich sehnte nach Phillippe. Er hatte sie

zwei Tage zur Seite gelegt wie eine Akte, wie eine Margerithe, wenn sie verblüht, oder wie eine Katze, mit der man nicht spielen will. Aber es zog sie hinauf den Berg, sie atmete schwer. Hinter ihr ein Stimme , sie erschrak.

Phillippe……

 

Er sah sie nicht, er war gesprächig unterwegs mit einer dunkelhaarigen großen Dame in Blau.Blauer Schal, blauer Rock….oh…

 

Schnell, hurtig sprang sie zur Seite, damit er sie nicht sah und beobachtete die beiden.

Sie schienen sich gut zu kennen und sie beobachtete zittrig die Unterhaltung, während er die Sandstraße deklamierend entlangschlenderte . Er schaute meistens weg von Frau Blau, aber das tat er auch bei ihr oft, vor allem dann, wenn er wie vom Donner getroffen die neue Sachlichkeit auf den Tisch des Hauses legte.

 

Margrite fror hinter den Stufen am Fuße des Doms.

Sie hatte aufgehört zu denken und sie kotzte ihre Liebe auf den gemeinsamen Acker der Wortlosigkeit. Die Raben kamen , die Liebe zu picken und sie zu verschlingen mit ihrer unendlichen Gier. „warum nur warum, habe ich ihm so sehr vertraut, warum nur warum treffe ich ihn hier?“

 

Vergessen der Bamberger Reiter, die Sahne auf der Himbeercreme, die unendlich weichen Hände und der Kuß..

Ihr Mund wurde trocken, sie hustete und sah ihn vorbeigehen, sein Lachen, seine Arme fuchtelten wild in der Luft.

„Du dumme Kuh, du dumme dumme Kuh“ schimpfte sich Margrite und stampfte wie ein kleines Mädchen mit den Füßen in den nassen Asphalt. Nie mehr nie mehr wollte sie sich verlieben. Ihre Augen funkelten in der beginnenden Dämmerung, und sie wischte sich die Tränen an den giftgrünen Ärmel….

 

Da hinten liefen sie. Sie sah nur noch kleine schwarze Punkte und  sah ihnen nach, bis die Tränen die Punkte verwischten. Die Sonne rief „Weine nicht Margrite,ich werde bald wieder scheinen…“ Margrite blickte nach oben…“ich brauch dich nicht, ich möchte den Regen, den Mond und den Wind….Du zerstörst die Liebe und die Melancholie. Bei dir muß man fröhlich sein. Ich möchte mit dem Nebel um die Wette lachen und nicht von dir verbrannt werden mit deiner Energie…..“….der Himmel ward noch blau geworden und die Sonne verschwand hinter dunkelgrauen Wolken…Margrite drehte sich um und rannte nachhause….weg …nur weg…….die Idee er könnte die blaue Frau lieben am Michelsberg über der Stadt , fast beim lieben Gott…. tat ihr weh…..“

 

Ihr Handy klingelte….Phillippe……..“Oh Phillippe, wie geht es dir..“ schluchzte sie in den Hörer…so sehr, dass er ihr

entglitt am Bordstein und im Abflussrohr verschwand, geschluckt vom großen Mund der Kanalisation….

3. November 2009

Margrite

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 11:58

 

Ikaria

 

 

Margrite wurde geweckt von Iphigenie. Sie trug eine weiße Schleife um den Hals und einen winzigen pinkfarbenen Teddy zwischen den Zähnen. „wach auf, wach auf…“ maunzte Iphigenie…..ich möchte dich küssen an deinem

Geborenentag , ich habe mich schön gemacht und ein Geschenk von Phillippe…“

 

Margrite rieb sich die Augen, war die Nacht doch lang gewesen und dennoch kurz,die Träume ausgiebig und Phillippe….nein ,er war nicht da. Gegangen war er wie immer und er hatte sie allein gelassen

am Ufer des Mains in ihrem bunten Hochzeitshaus, wo es ständig plätscherte und der Fluß die munteren Botschaften der Erzähler mit sich trug und ein bezauberndes Lied sang von Stund zu Stund.

 

Geburtstag sollte sein, ach ja, ach nein, nicht in hundert Jahren möchte sie ihn haben. „Oh doch“ meinte Iphigenie „Ein Fest ist etwas, das verbindet. Wir ziehen den Kittel aus und tanzen. Oder singen.Erzaehlen uns was. Als waeren wir alle gleich.

Geboren. Das finde ich schoen.“

Margrite war gerührt ob dieser wundervollen zärtlichen Worte und sie schaute verliebt zu Iphigenie , wie sie keck mit einer Schleife um den schlanken Hals vor ihr stand.

„Bald ist auch wieder Weihnachten Iphigenie.

Die Supermaerkte zeigen es schon lang.Da leuchtet dann im Dunkel ein Licht,Hoffnung kommt auf, die Tage werden laenger.Danke liebe Sonne. Aber dieses Licht zünden wir dann selber an, aus den Vorraeten, nicht wahr Iphigenie? Laß es uns zusammen tun..“

 

Iphigenie schnurrte und sie überließ ihr Herz Margrite und Margrite streichelte ihre Seele .

Phillippe hatte ihr einen kleinen pinkfarbenen Teddy geschenkt, einen Teddy aus Kindertagen, für sie das Kind, seine

Kindin, seine belle de jour.

Sie las den Brief den Iphigenie vergraben hatte hinter dem Bettchen , damit sie ihn nicht läse und sie wieder alleine lasse wie all die letzten Tage. „Oh Iphigenie,“ warum haderst du so mit den Menschen die ich liebe,” dachte Margrite, während sie die schlafende Kätzin liebkoste. „Du bist doch meine Liebste, meine Beste und die zarteste Märchenerzählerin am Horizont, Du Sherezade  und meine Geliebte.“

 

Margrite sah Phillippe nur marginal an der Tür..er zeigte auf seine Liebesschwüre auf der schneeweißen Liebeswand .

 

„Mein Liebes, jetzt gratuliere ich Dir zu deinen Ursprungstag,ich küsse dich,meine belle de jour ,meine Kichererbse,

mein Zimmerfräulein, meine Seelentrösterin. Du Rosengärtnerin,puella Bambergiensis, pupa cordis,

Du Königin Ikara meines Sonnenglaubens, du zärtliche Komplizin meiner phallischen Ideen,

ich wünsche Dir noch tausend mal mehr Lachen, noch mehr Glück, noch viel viel mehr Gesundheit,

Dein grüner Bräutigam, dein blauer Kammerherr,

dein roter Bamberger Reiter Phillippe“

 

„Ach Phillippe“ flüsterte  Königin Ikaria und rieb sich die Augen“ Komm`, komm`her….ein Kuß…nur ein Kuß….“….doch er verschwand , so schnell, einfach zu schnell….so leis, so still……

 

Margrite trauerte ein wenig, nur ein wenig…eigentlich schon nicht mehr , denn es trieb sie hinaus auf die Felder, dort wo die Krähen auf sie warteten, ihre Botschaften zu empfangen um sie den Kranichen am Horizont zu schenken zu Mitternacht…zu Mitternacht.

 

Die Reiterin Ikaria schwang sich alsgleich auf ihrem klapprigen Gaul, den sie nicht immer gut füttert und dem sie nicht so oft die Peitsche gibt, da sie sich hingibt seiner ihm noch eigenen Ungestümheit, dorthin zu galoppieren wo es ihm gefällt:in das Meer der Wortbeete und Wortgräber……und sie ritt los , an diesem Tag der unendlichen Geborgenheit und Freiheit und sie ritt und ritt und

nahm die Liebe mit. Wolken sollten sie begleiten und mit ihr streiten ob der Farb`. Der Wind schenkte ihr den Klang .

Die Straßen hatte die Bordsteine heruntergeklappt und der Regen schlief hinter den Nestern am Horizont neben dem Neuschnee der vorletzten Nacht.

 

 

Iphigenie schlief.

2. November 2009

Margrite und Phillippe

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 10:13

Dur und Moll

 

 

 

Sie liefen von Klein Venedig hoch zum Domplatz und dann auf den Michelsberg.

Margrite atmete schwer. Phillippe nahm sie bei der Hand.

„ich will mit dir die Welt begrüßen, meinte er. Bei freier Sicht und Sonnenlicht“.

„Ich will dich küssen“, meinte Margrite und sie hielt ihn fest.

 

„Du bist so lieb, meine Diebin“ flüsterte Phillippe, als sie in seiner kleinen Mansarde angekommen waren.

Und sie ließ sich fallen auf seine Worte und den Liebeskranz den er ihr geflochten hatte.

„Nie soll es enden“ keuchte sie „Nie darfst du gehen“flüsterte er.

Die Erde drehte sich um die Sonne und die Sonne fragte den Mond nach der Erde.

 

Es wurde dunkel im Zimmer und Margrite hielt seine Hand. „Ein Kinderhändchen hast du, ein Kind bist du.Bist noch nicht erwachsen“ flüsterte er. „ja stimmt“ nickte Margrite „wann werde ich erwachsen…sagst du mir den Tag die Stund und die Sekund?“

„Du wirst es merken Margrite“ und er drückte sie in seinen Neuronenhimmel und deckte sie warm zu mit Satzfragmenten. Sie liebkoste seine Geschichten und er schenkte ihr das eine oder andre Wort.

Sie gab ihm die Worte zurück  mit Küssen und sie ertranken im Meer ihrer längst verstorbenen Welt aus Bergen und frischem Neuschnee in dem sie versanken.

 

Als es zu schneien aufhörte, sprach er kurz und sachlich von schönen Frauen in einem bunten Karussell, das er oft betrachte und er stellte Thesen auf und sie hörte atemlos zu.Sie antwortete lang, es war zu lang. Er retournierte kurz. Margrite vermochte nicht mehr zuzuhören.Mal Terz ,mal Quint mal Dissonanz. Nein.“ Dur“ keuchte sie „.Dur, manchmal Moll.“ Phillippe nickte.

 

An der Tür polterte es im Moment des Klangs, der ihnen die Ohren zerriß und den Raum beschämte.

Schrilles Geschrei eines lauten wilden Mannes ,der durch den Schnee gestapft kam und sie vertreiben wollte aus dem Paradies.Rübezahl hatte viel zu lange Arme und sein Kopf schien zu klein. Er hatte sie belauscht und er ertrug diese Liebe nicht, er wollte sie zerstören, da er sie selbst nie haben würde. Ja,er kannte sie nicht einmal.Er warf die Arme um sich als wolle er sich damit erdrosseln. Margrite blieb ganz still. So still.

Die Dissonanzen verhallten im Neuschnee und der Tritt von Rumpelstilzchen wurde trotziger und es rannte davon wie ein Kind.

 

 

Phillippe und Margrite schwiegen. Margrite ging mit Phillippe in die Nacht.

 

Sie umhüllte sich mit Schnee in dieser Nacht, bevor sie schlafen ging.

Er kühlte ihren weißen Leib und sie trank dazu roten Wein gierig mit großen Löffeln und benetzte ihre Wunden damit, bis der Morgen kam.

 

Der Morgen war hart, grau, zerbrechlich und so anders. Phillippe war verschwunden.

Margrite sah sich um. Schnee lag auf dem hochgeklappten Asphalt, die Sonne versteckte sich hinter ihrem Spiegel und Margrite erschrak, als sie in den Spiegel blickte:

 

Phillippe hatte ihn mit Lippenstift beschrieben:

„Ich bin nicht sachlich. Ikarus bin ich. Begehren tu ich. Ich  erinnere mich, nein, sachlich war ich wirklich noch nie, ich verstehe das Wort kaum.“

 

Sie ließ es stehen.Ihre Glieder schmerzten, ihr Mund war trocken, ihre Gedanken bei Phillippe.

Wieso war er so zügellos, so gnadenlos, so zart…ach so zart…

 

Die Michaelskirche läutete zur neunten Stund.

Michaelskirche

Michaelskirche

 

 

1. November 2009

Margrite und Phillippe

Abgelegt unter: Margrite und Phillippe — angelikademel @ 10:22

Am Ufer des Mains

 

 

Als sie sich wieder trafen am Ufer des Mains war es kühl geworden. Die Vögel klatschten dort nicht an die Scheiben, sie flatterten geschäftig über den Dächern und den Wipfeln hinein ins All ihrer Möglichkeiten der Flucht und Neugierde.

Margrite beobachtete sie. „Wenn im Herbst die Vögel ins Land ziehen, bekommen wir einen milden Winter“, dachte sie, während sie auf Phillippe wartete. Sie fröstelte. „Wo ist der Spiegel , wo ist der Spiegel, bin ich schön genug, mag er mich so , nein er kann mich nicht mögen, nein, warum sollte er mich mögen, ach ach..“und sie sank darnieder auf der Bank am Ufer und zog sich den Schal ins Gesicht.

 

Phillippe hatte auf sie gewartet hinter den Bäumen versteckt wollte er sie beobachten, die Geliebte, er wollte sie sehen ,ihre Unbekümmertheit ihre Reinheit, ihr Unschuld. Es gefiel ihm dies zu beobachten, es gefiel ihm zu sehen, wie sie war, hinter ihrer Mauer aus Lippenstift, Chanel und Satzfragmenten.

Er verharrte , als er sie dort stehen sah. Er verharrte und hörte auf zu denken. Er streifte durchs Gestrüpp erblickte sie Und sprang keck auf ihr schönes Pferd.Dann schwanden sie dahin vor Lust im ewigen zum Brunnen ihrer  Jugend .

 

„Phillippe…Phillippe…du bist ja schon hier…wie lange bist du schon hier“ es riß ihn jäh aus seinen Gedanken .Sie stand vor ihm, seine Sternensammlerin auf dem goldenen Pferd, so schön, so klar, so lieb.“Ich bins, ja ich“ und sie

küßte ihn zart und verlegen.

 

 Als er ihr Gesicht in seinen Händen hielt träumte er von Rosen im Garten der ewigen Stadt, dem Rosengarten, in dem man auf die Stadt blicken konnte. Wie gerne wäre er dort mit ihr. Sie läsen sich Texte vor und er würde ihre Schenkel berühren. Ja und ihr Lachen, das würde über den Dom bis in die Sandstraße klingen.

30. Oktober 2009

Margrite und Iphigenie…..

Abgelegt unter: Margrite und Phillippe — angelikademel @ 20:53

Analyse

 

 

 

Sie hatten sich 48 Stunden nicht gesehen. Es schien nicht tragisch, war aber dennoch eine Tragödie.

 

 Iphigenie hungerte seit dieser Zeit, denn Margrite hatte vergessen sie zu füttern.Margrite kam nicht nachhause, denn dort erwartete sie der große Pfahl der unvergessenen Liebe.Iphigenie saß auch nicht mehr am Fenster und schaute den Vögeln beim Selbstmord zu, nein, sie lag in Margrites Bett. So weich so groß, so viel. Sie schlief.

 

 Margrite lehnte am ewigen Treppengeländer  und überlegte stetig neue Szenen in ihrem bunten Leben. Sie arbeitet wie wild an den Seelen der andern und versuchte sie zu färben in Rot, in Grün und in Lila. Gerade die letzte Farbe fand sie weniger beschwerlich. Es war die Farbe der Saison und sie wird vergehn, so wie das Leid, das vielen zu eigen ist.

 

„Warum haben Sie aufgehört Ihren Mann zu lieben?“ fragte sie analytisch und die Patientin meinte „Wie ist es mit Ihnen? Können Sie lieben?“ Margrite lachte, „das würden Sie gerne wissen, nicht?“ und sie fuhr fort „natürlich kann ich lieben, ich habe den besten Mann der Welt. Er hat mich adoptiert als ich fast ein Kind war und dann fing er an, auf mich aufzupassen. Das machte er immer sehr gründlich. Aber es war auch wichtig für mich, denn sonst wäre ich ertrunken im Sumpf des Himalajas als ich im großen Gewitter den Gipfel stürmte..“ Die Patientin war mit der Antwort weniger zufrieden. Sie fragte nach    “aber Liebe, richtige Liebe…..?“

„Was ist Liebe schon?Wissen Sie es?“warf Margrite ein …“Ja ,wenn es mir leid tut, dass ich dem am meisten weh tu den ich am meisten liebe und dass ich es immer wieder tu, ja das ist Liebe.“ heulte die Patientin. „Solange sie die Liebe lassen, ist sie an Ihrer Seite, denn was wären Sie ohne sie?“ antwortete Margrite leise.

 

Die Stunde war zu Ende.

 

Irgendwo in dieser Stadt lief eine junge Frau zum Auto und begann alleine zu tanzen. Sie begann, sich um sich selbst zu drehn. Immer schneller, bis es dunkel wurde.

 

Es täte ihr leid, dass sich alles so verschiebt, sagte Margrite am Abend zu George. „Was wär ich ohne dich?“

George, mit dem sie fast ein Viertel Leben teilte, nickte nur stumm.

 

Iphigenie schlief auf der Treppe, neben dem Geländer des neuen Tages.

Phillippe

Abgelegt unter: Margrite und Phillippe — angelikademel @ 10:42

 

 

Bei Phillippe zuhaus

 

 

 

Phillippe hatte rastlos geschlafen, stand früh auf und fiel über dieses Kabel in der Stube, das sinnlos verstreut rumlag wie so vieles in seinem gejagten Leben. Er dachte an Margrite und dass er mit ihr in einem weiteren Leben gerne Blumen gießen würde in ihrem Paradies. Aber er verwarf dann den Gedanken, zu kitschig, zu kleingeistig zu wenig

Prophetisch erschien es ihm.

 

Die Sonnen des Morgens ließen heute besonders lang auf sich warten während er auf seine Hände starrte und an die ihren dachte. So klein, so weich, so zart. Sternensammlerin war sie, Wolkenreiterin , ganz flink und ganz still bisweilen. Er wollte sie haschen, sie erschien nicht vor seinem halbmüden Blick. „Wo bist du?“ seufzte er traurig. Der Stuhl auf dem er saß, bebte, die Uhr verneigte sich vor der Zeit und er gedachte seines Lebens und dem Gebirg ,das er erklomm.

 

„Sie ist wie Edelweiß, wenn du sie pflückst, stürzt du ab“ dröhnte das rechte Ohr. „ Sie ist wie Sahne auf Himbeertorte“ flüsterte das andre. „jaja Sahne mag ich“ dachte Phillippe und er wurde rasch hellwach und

freute sich, die Geliebte wiederzusehn. Er wollte nicht stürzen. Er wollte beides. Das edle Weiß pflücken und noch dazu Sahne mit Himbeerschaum. Im Steingarten draußen sah er sie. Sie trug ein weißes Kleid und winkte ihm zu. „Oh Margrite, warte auf mich,es ist nicht zu spät.“ …………………….“Es ist immer zu früh“, schallte es ihm entgegen. Er grübelte, schaute sich um. Verschwunden das Kleid, nur das Echo lag zerschossen im Garten und die Raben pickten

den Ton.

 

„Wegdrehen muß ich mich, will keine Raben auf dem Kleidchen haben“…rief er zornig.

 

Ihre Hand wollte er halten, ihren Hals bestücken mit Schaumküssen und er sehnte sich nach ihrer Stimme, die so kindlich klang, wenn sie bei ihm lag. Die Gedanken führten ihn immer wieder zu den Bänken im Wolkenbeet, wo sie auf ihn wartete und die Arme ausstreckte und lachte…ach sie lachte…..sie konnte so fröhlich sein.

 

In der Küche stand süßer Tee.Er trank ihn mit Honig.

29. Oktober 2009

Margrite

Abgelegt unter: Margrite und Phillippe — angelikademel @ 22:07
 

Bei Margrite am Abend

 

 

 

Müde war sie an diesem Abend und sie suchte den Lichtschalter, fand ihn nicht.

Iphigenie maunzte vom ersten Stock“Hunger hab`ich , wo warst du du treulose Herrin?“.

„Ach Iphigenie“, dachte Margrite, „arbeiten war ich auf der Seelenstation meiner Seelenklinik und habe Hände gehalten im Dschungel der Nettigkeiten und erotischer Geschichten. Getröstet die Kranken und geheilt niemanden, aber immerhin einige über den Tag gerettet .“

 

„Wo ist Phillippe?“ raunzte Iphigenie „hat er dich verlassen ,dein Atoll, dein Meer, dein Gebirg?“.

 

„Sei still“ rief Margrite nach oben. „ich bring dir dein Futter, dann bist du still. Du bist doch still , oder nicht, meine Kleine?“ während Margrite das so sagte warf sie Iphigenie in die Luft so dass sie schwieg.

 

„Jetzt bist du still…ach komm mit“.

 

 Und sie bereitete sich und der Kätzin ein Mahl, hatte aber wenig Appetit. Er war ihr im Laufe des Tages abhanden gekommen. Phillippe war verschwunden, abgesaust in die Erdspalten des Kometen,der gestern über sie geflogen war. Sie war ertrunken in ihrer Gier und es trieb sie den ganzen Tag über die Erdplatten ohne Sinn.

 

„Laß uns essen, Iphigenie und schweigen. Es gibt nichts zu sagen über den Tag, außer daß ich seine Stimme hörte und der Vulkan des gestrigen Tages beginnt, Besitz von mir zu ergreifen.“…“Hmmm“ meinte Iphigenie, „du magst es nicht, das Obsessive, nicht? Du magst den Wind und den Tau ,den Reif und den Mond. Sie sind harmlos, sie machen keine Angst. Phillippe macht dir Angst?“. Während sie so sprach, stolzierte sie am Spiegel vorbei und poste sich schön. Der Spiegel leuchtete hell wie Iphigenies silbernes Fell.

 

 „Wie schön du bist“ seufzte Margrite, „soll ich dich kraulen, magst du dich laben an meinem Hals, mich lecken und das Salz auf der zimtenen Haut schmecken?“

 

Iphigenie sprang auf Margrites warmen Schoß und kuschelte zögerlich .“Es riecht wie Weihnachten, es riecht wie Heimat an diesem Ort. Hier will ich bleiben “und sie kauerte sich in Margrites Schoß und leckte ihr die Händchen.

Margrite weinte still ,streichelte die Kätzin und lehnte sich im Sessel zurück.

 

Es war kalt geworden in dieser Vorweihnachtszeit. In den Fenstern der andern leuchtete schon das verdächtige Licht der Zweisamkeit, das sie an die Mutter erinnerte. An ihre Lebkuchen und an ihr duftendes Buttergebäck.

 

„Oh Phillippe, was wird aus dem Kuß den wir uns teilten? Wird er erfrieren in den geschäftigen Einkäufen

zu Nikolaus?Oder gebe ich dir mehr Zeit, einfach Zeit, die nicht messbar ist, eine Hybris aus Zeit und Endzeitlosigkeit und der Teufelin einen roten Mund mit Aprikosenhaut? Ich weiß es nicht. Ich kann gerade nicht stehn auch nichtgehen.Ich erfinde mir einen Klick und beende den Tag und die Nacht ohne Lachen ,ohne Murren, ohneWort mit einem Lied und ich sings.“Iphigenie war schon eingeschlafen.

Margrite machte das Licht aus und eine lüsterne Dunkelheit überfiel die Teufelin allsgleich.

 

 

 

 

 

 

 

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