1. Dezember 2009
Liebesgedicht
Es regnete, Margrite rannte hoch zum Dom. Ausser Atem schleppte sie sich zum Rosengarten . Verschlossen der Garten ihrer Liebe. Winterpracht strömte ihr entgegen. Sie roch die Liebe dieses Sommers….Oh Phillippe
Ein Briefchen an die Tür geheftet. Das alte Versteck .
Sie wusste Phillippe würde kommen, es suchen ,es lesen…… alles würde gut.Würde gut…sie hoffte…sie bebte….ja sie betete, wärend sie zum Dom hinüberstarrte.
.
.
.
Liebe
Rosengarten
mit dir gegangen
Worte in
Pullover gestrickt
Mit Lachs
die Kleine füttern
Blumen gepflückt
danebengelegt.
Deine Hände
in meinem Gesicht.
Ewigkeit
auf warmer Haut.
Sie strich sich hastig die Tränen aus den Augen und lief eilig weiter zum Michelsberg, wo bereits die Frau des Sprudelhändlers wartete, wie jeden Dienstagmorgen.
Regen klopfte an der Tür und Margrite hoffte, sie hoffte, sie war so bang….”lass ihn nicht gehen ohne diesen Gruß..”
Die Michaelskirche schlug zur vollen Stunde.
30. November 2009
Übertragung und Widerstand
Der nächste Morgen platzte in Margrites Schlafzimmer. Küsste sie und zerriss ihr das Nachtkleid.
Sie rannte in die Küche…Guten Morgen Welt, ich bin gelandet, ich habe es geschafft . Ich bin weg von
meiner Sucht nach Phillippe….
Iphigenie kam angerannt und stellte die kleinen Öhrchen …”was ist los…bis du jetzt wieder häufiger zuhause Lara? Ich bin doch dein Kind Word…sag dass ichs bin….ich ertrüge es nicht, wenn du ein anderes Kind neben mir lieben würdest…”
Margrite strich ihr über das Fell und erklärte ihr die Tiefen der Übertragung in der Psychoanalyse, die in ihrer Beziehung mit Phillippe Raum gefunden hatte.
Sie erklärte ihr die Funktion von Übertragung, Widerstand und Gegenübertragung in ihrer Beziehung zu Phillippe.Iphigenie schaute neugierig und leckte Margrite zärtlich das Händchen.
“Also Iphigenie…In der Übertragung liegt der stärkste und unantastbare Beweis für die Abhängigkeit der Neurosen vom Liebesleben.Übertragung und Widerstand sind das Kernstück einer jeden Therapie und hier meiner Beziehung zu Phillippe. Wenn wir diesen Drehpunkt erkennen, haben wir das Unbewusste schon fast überlistet.
Reicht Phillippe beispielsweise die Erkenntnis, wenn er mich bei bestimmten Themen mit Hassgefühlen besetzt, weil ich stellvertretend für seine Mutter stehe- die er ja angeblich “abgehakt” hat -steht? Eine tödliche Aggressivität könnte dann bei mir gebündelt werden. Und umgekehrt bündle ich natürlich meine Aggressionenn gegen meinen Vater bei ihm.
Mit Hilfe von Deutungen also der Einführung erklärender Motivierung, stellt sich eine geschichtete Frage, nämlich wo der Boden der Schichtung sei, der unterste Boden?
Die unterste Schicht, also die Grundschicht ist erreicht, wenn keine Übertragung mehr zustande kommt, oder besser gesagt, wenn der Übertragungsanteil an den psychischen Problemen unter eine bestimmte Höhe gefallen ist.
Solange Erinnerungsspuren abgewehrt werden , also ein Widerstand gegen Erinnertes stattfindet, findet die Übertragung noch statt.
Ohne Übertragung kein Widerstand. Sie bilden eine Symbiose . Widerstand und Abwehrverwehren den Trieben den Zugang zum Bewusstsein, binden das Ich an „seine“ Realität.
Der verneinende Anteil des Ichs bedeutet, wenn der unbewusste Anteil eine Abwehr vorgenommen hat.
Natürlich müsste ich frei sein, von derart Übertragungsphänomenen, aber ich denke, so massiv wie sie bei Phillippe auftreten, unterlag ich einer wilden Täuschung all meiner Analytiker, liebe Iphigenie.
Ganz abgesehen davon dass Phillippe mich auch sinnvoll nutzt um seine Spuren auf mir abzudrücken, würde ich diese Übertragungsphänomene gerne professionell besprechen….”
“Mit wem??” fragte Iphigenie und grinste….
“Natürlich mit dir….”lachte Margrite und tanzte durch den Raum.
“Wirst du Phillippe wiedersehn?”
“ich weiss es nicht…ich denke er soll nach Marseille zurückfahren und seine Übertragungsphänomene dort an seiner Frau ausleben und nicht an mir..oder an seinem Psychoanalytiker, den er nutzt , damit seine Frau ihn wieder lieben möge.Damit er mit Tonya seine Ruhe findet…der gute Jurij…..ich wusste von Anfang an, warum er mich an den Schiwagofilm erinnerte…..”
“Warum..warum..?”
“Weil Jurij auch so geliebt hat, aber am meisten seine Phantasien und seine Welt in der er bedingungslos leben wollte unter Nutzung seines Geistes und seiner Erotik…er liebte Lara nur so, wie er konnte und er betrog Tonya als sie schwanger war….”
Margrite schwieg plötzlich. Sie streichelte Iphigenie
und wartete auf George, der lächelnd die Treppe hochkam .
Sie zeigte ihm ihre Hand und den Ehering,den sie wieder trug seit heute.
Verwirrt. Er zeigte sich verwirrt.
Iphigenie sprang durchs Zimmer und jagte ein Sandkorn von der gestrigen Nacht.
29. November 2009
Im November
Während sich in Phillippe Wolken von Gedanken auftürmten, stand plötzlich Margrite vor ihm und weinte bitterlich. Sie hielt einen Brief in der Hand und zitterte…
“darf ich ihn vorlesen, ich schaffe es nicht es dir zu sagen.., du hast alles zerhackt, zerhexelt, entzaubert….deshalb habe ich dir einen Brief geschrieben .Ich leide, soll aber immer das fröhliche Kind mit den Luftballons sein,ich bin es nicht- stattdessen winsle ich wie ein Hund, wenn du mir ununterbrochen von deiner Familie in Marseille erzählst , wie sie leben in der Sonnenallee neben dem Goldbach und wie du ihnen morgendlich Sternensemmel vorbeibringst.
Auch ich habe ein Nest -allerdings in der Schloßallee-war aber bedingungslos genug , jedes Zeitfenster über Bord zu werfen , um nur bei dir zu sein. In der Nacht, beim Einschlafen und am Morgen zum Tee, bei der Arbeit und immer. Immer.
Und sie begann zu lesen. Erst zaghaft, aber dann immer sicherer, seine Art ,sie in die Schranken zu weisen mit einer gewissen Arroganz störte sie nicht mehr.
“Grausam diese Jahrhundertliebe auf dem Froschberg in der Krötenallee zu opfern wegen der Mäuse , die schon am Zeitfenster nagen und mit ihrem Fernglas uns versuchen zu beobachten.
Grausam auch die Jahrhundertschwüre , die wir immer leisten und genau wissen, dass es Lüge ist.Unseren Roman , ein Buch voll von schlechtem Gewissen und der Moral, von der du meinst ,ich kennte sie nicht, sollten wir in die Flammen werfen.
Das wäre ehrlicher.
Grausam zudem, meine Unschuld verloren zu haben bei bestem Gewissen was ich tu , bei innigstem Vertrauen und maximalem Risiko.
Grausam ,dass das Philosophieren und das Dichten und alles was damit zusammen hängt ,eine entsetzliche Lüge ist, die nicht einmal im Fiktionalen Bestand hat.
Grausam, dass wir uns über die Spießer an den Schaufenstern mokieren und selber die größten Spießer sind.
Grausam auch ,dass wir unsere Idee gemeinsam zu schreiben ,unsere Idee gemeinsam zu werden, unsere Idee, gemeinsam zu lieben und mit dieser Liebe zu wachsen für den Alltag opfern.
Erfreulich an allem ist nur, dass du es rechtzeitig bemerkt hast. Auch die plötzliche Freundlichkeit deiner Frau nahm ich dir nicht wirklich ab. Aber egal. Es hat dich retardieren lassen und du warst distanziert und ungnädig in einigen Dingen mir gegenüber.Und stets redundand zum Thema.
Ich habe beim Rückweg in die Kapuzinergasse geheult und habe gesungen, aber es hat nichts bewegt. Ich sitze verheult über diesem Brief.Meine Tränen rühren dich nicht wirklich, ich bin ja ein fröhliches Kind.
Bin ich zweifelsfrei.Schön für einen Mann wie dich, ein fröhliches Kind zu kennen und zu lieben.
George hat mir erzählt , dass er einen Brief hat verschwinden lassen von einem Christoph den ich nicht kenne, der mit der Post nachhause kam.
Ein Mann der mich seit Jahren beobachtet, wie er schrieb und mich kennenlernen will. Er schrieb sehr edel, scheint auch ein Kunstdepp zu sein, wie alle meine Verehrer es früher waren.
Wie merkwürdig, dass Georg denken kann, wenn ein Idiot mir einen Brief schreibt, weil er mich vergöttert und seine Telefonnummer hinterlässt, mich auch nur annähernd interessieren könnte.
Du, Du und nur du hast mich interessiert und deshalb hatten wir auch eine sphärische fast kosmische Liebe. Ab heute ist diese Liebe real und grau. Das Kosmische verflogen.
Als du heute mein Band auf dem Anrufbeantworter besprachst ,hatte ich das Gefühl es wäre dir gar nicht unrecht ,wenn ich ein bockiges Kind wäre. Du projeziertest deine Wünsche auf mich, weil du dich selbst nicht traust..Du überträgst. Ich merkte es gleich. Da du mir die Analytikerin eh nie abnahmst, dachtest du, ich merke es nicht.
Du der Poet, der Vater und der Ehemann in einer bizarren Marseiller Beziehung der gegenseitigen Abhängigkeiten. Behalte sie und lebe dein Unglück als Tragik.Vielleicht auch als Glück.
C`est ca.”
Phillippe widersprach heftig und traurig, aber auch erleichtert.Sie spürte es ganz leise, diese Erleichterung, ganz zart, ganz fein.
“Du liebst mich weiterhin?”
Ja er liebt mich…rief Lara…und setzte Kartoffeln in der Küche auf..
Sie weinte so sehr vor Glück ,aber auch weil sie wusste dass sie sich nicht sehen durften…es könnte das letzte Mal sein.
Waren Sie doch beide behängt mit Bleiwesten der Verantwortung. Zudem hatte Jurij Angst ,aus seiner Wohnung in Moskow ausziehen zu müssen.
Es war ihm wichtiger in Ruhe weiter zu dichten als sich mit Lara diesem Komorovsky zu stellen.
Er wußte, dass sie ein Kind von ihm erwartete, aber er entschied sich für Moskow und die Poesie, denn nur im Fiktionalen konnte er weiterleben und bestehen. Lara wäre ihm zu nah gekommen und hätte seinen ductus.. irritiert….zumindest kurzfristig.
So überläßt er Lara Kamarovsky.Lara zerbricht an ihrem Peiniger und an der Sehnsucht und stirbt in den Wirren der Jahre danach.
Jahre später trifft Jurij ihr gemeinsames Kind WORD . Er ist erschüttert , fast erschlagen von seiner Feigheit , dass er Lara hat gehen lassen und schreibt nie mehr ein Wort.
Ihr Kind allerdings
schließt er in die Arme und weint die Tränen eines Liebenden.
Phillippe hörte Margrite von
der Ferne lesen….er war bei Lara und ihrem Kind…er weinte ..
“….ich lass dich gehen, wenn du es willst.
Margrite”
Margrite schluchzte bei den letzten Sätzen.
“Arme Margrite….”dachte Phillippe…”….das wollte ich nicht Lara…”
28. November 2009
Phillippe und der Regen
Phillippe saß in seiner kleinen Wohnung in der Nähe der Sandstraße, versuchte sich zu konzentrieren auf die Übersetzung, aber er dachte immer wieder an Margrite. An ihre kleinen Hände, an ihre Wildheit und an ihre
Unberechenbarkeit. Jeder anderen wäre er davongelaufen, aber sie, aber sie, sie war wie ein Tier aber auch wie ein Kind. Eine Kindin und ein weiches Tier, das man streicheln muß, weil es sonst davonrennt. Das Normale wurde zur Sensation. Er freute sich in diesem Moment wie ein Heiliger, dachte an die anarchistische ,kreative Art von Margrite und fühlte ihre Hingabe in diesem Augenblick so nah, dass es ihn fast zerriss.
Draussen Nieselregen, kraeftiger Wind aus wechselnder Richtung, in der Tat - mal ruettelte er
hinten am Fenster, mal nicht, mal vorne. Aber immer noch warm. In der unteren Haelfte seines Fensters
sah Phillippe das oberste Stockwerk und das Dach des gegenueberliegenden Hauses, in der oberen Haelfte
den Himmel. Direkt gegenueber wohnte ein Maler, der ausser ihm der einzige in der Strasse zu sein schien, der sich die Naechte um die Ohren schlug.
Er war nach der turbulenten Nacht imSchreibwarenladen, beim Uhrmacher, in der Buecherei, am Goblmo und bei den Marktfrauen gewesen . Er torkelte wie ein Betrunkener durch die Gassen Bambergs, folgte dem Wind und sah am Kranen denSchiffen nach, wenn sie denn kamen.
Die Blicke der Bamberger auf ihn den Franzosen im langen Trenchcoat eher prüfend, als ob sie sich fragten, ob er denn
arbeitslos sei. Am helllichten Tag einkaufen gehen, ist anders wohl nicht zu erklaeren - obwohl die Strasse voller Leute war.
An einer Baustelle am Schönleinsplatz schrieb er sich eine Woerterliste ab,die hing da, damit “der Lehrling sich
die Fachbegriffe merkt”. Als er verriet, dass er auch Woerterlisten mache, meinte der Polier, da muesse
er wohl “sehr reich sein” - keine Ahnung, wie der darauf kam, zumindest aber einer, der Phillippe nicht
fuer unbeschaeftigt hielt. Oder vielleicht doch, denn er wollte ihm gleich die ganze Baustelle zeigen. Da
setzte der Regen ein. Phillippe lachte ein wenig und parlierte mit französischem Fränkisch die Fragen des Poliers.
Im Cafe Riffelmacher am Alten Rathaus frühstückte er dann zur Mittagszeit und beobachtete die jungen Frauen, die von der Universität kamen, die lachten und sich gegenseitig nimmermüde vollbabbelten.
Margrite war bei der Arbeit und sie hatte heute zwei neue Patienten,“zwei gutaussehende Männer“.Warum sie dies wohl betonte, wo sie doch denken könnte, wie sehr er die Männer um Margrites Anwesenheit beneidete.
Wie gerne würde er sie hier mitnehmen nach Marseille , sie abschöpfen aus ihrem Meer von Chaos in ihrer
perfekten Welt, die sie so sicher fühlen ließ. Sie würde wohl nie mit ihm gehen, “sie findet sich lieber mit Scheinlösungen ab,” dachte Phillippe.
Er zahlte und machte sich auf den Weg durch die Sandstraße in seine Wohnung, wo viel Arbeit auf ihn wartete,
So recht gelingen wollte es ihm nicht. Gefangen waren sie beide in ihren Versprechen, Konventionen einzuhalten.
Nicht erst seit gestern wussten sie,dass sie sich belogen hatten all die Jahre und dafür einen hohen Preis gezahlt hatten. Die Sehnsucht von Gefangenen nach Freiheit ist am größten.
Was wäre, wenn sie sich befreien würden aus ihrer Umklammerung in ihren bürgerlichen Familien? Wären sie glücklicher, oder unglücklicher als jetzt? Könnte nicht auch genau das Gegenteil eintreten, dass sie sich langweilen würden am Fuße des Michelsberges mit ihrer neu erschaffenen Zweisamkeit, die sie zwingen würde, glücklich zu sein?
So glücklich.
„Ach was ist Glück…“ murmelte Phillippe…..“Glück ist…..etwa singuläres, etwas momentanes….Glück ist
Margrite zu lieben“ schoß ihm der Gedanke durch den Kopf.
Er sah ihre sanften Lippen,. Ihre gütigen Hände und ihr schönes Gesicht und merkte dass er Margrite wahnsinnig liebte. So sehr dass sein Herz zu klopfen anfing, im Takt mit den Regentropfen draußen am Fenster.
Er wusste ,dass er zurück musste nach Marseille, er wusste, dass dort eine Frau auf ihn wartete, der er sich verpflichtet fühlte. Diese elende Pflicht wollte er nicht mehr. Er wusste ,dass er die Wohnung in Bamberg aufgeben musste,da sein Auftrag zum Wintersemester endete. Oh Margrite, oh Margrite, laß uns zusammen bleiben , in den Rosengarten gehen , Chesterton lesen und ihn deklamieren. Die Leichtigkeit des Herzens bei Margrite spüren, weil sie so ein gutes Herz hatte. Mit ihr erleben, dass das Herz genauso dafür bestimmt ist, hell und leicht zu sein wie verletzt zu werden.
Wenn man richtig glücklich sein wollte, ja da hatte Chesterton Recht, sollte man besser kein Herz haben.
Ein festes System von Vergnügen und Gemütsruhe wollte er mit Margrite leben. Nicht mehr dieses Auf und Ab , diese Trommel der Gefühle, die ihn rasend machten und handlungsunfähig.
„Oh Margrite…was machst du mit mir..“
26. November 2009
Liebe am Michelsberg
Margrite räkelte sich , während die Patientin Platz nahm. „An schöna gudn morgn..“
Margrite lächelte während sie dem ewig jungen Monolog ihrer hübschen Patientin folgte. Sie erzählte vom letzten Sommer, als das Stroh duftete auf den Feldern und sie noch liebte diesen Gewaltmenschen in ihrem Leben, diesen
Sprudeltransporteur, der ihr dauernd erzählte, wie er andere Frauen an den Türen haben könnte , weil er meinte das mache ihn interessanter in ihrem Herzen. „Des hod mich immer schon genervt..hören Sie?“
Margrite zuckte..“ach ja…was?..“ Sie nickte zustimmend. Genervt hat sie dieser Gockel,der nie einer war und seine Potenz ,die er zu Markte trug. Warum ist sie bei ihm geblieben, warum hat sie ihn nicht mitsamt seinen Sprudelkisten zum Teufel… Nein, nein , nicht werten, nur spiegeln und reagieren, murmelte die andre Margrite in ihr.
Ach sei still, dachte sich die Analytikerin, ich möchte nicht stets von dir belagert werden mit deinen Schuldgefühlen und Bewertungen du mieses Selbst ohne tragfähige Objektbeziehungen. Verschwinde.
„Wie stellen Sie es sich nun weiter vor?“ fragte die Analytikerin und die Patienti lächelte still….“ich moch nimmer, ich hob mir a klaana Wohnung gsucht und do zieh ich erst amol hi..“ „Und die Kinder?“.
„Die könna erst amol bei ihm bleim…“ Es war still im Raum . Margrite grübelte. Wieso war sie so mutig, ließ die geliebten Kinder bei ihm dem Gewaltmenschen? War es der neue Mann in ihrem Leben, der ihr die Jugend zurückbrachte, oder war sie wirklich so verzweifelt, nach Jahren der Knechtschaft und Gewalt?
„Wenn es Ihnen damit besser geht, ist das sicherlich für sie in Ordnung. Wie halten Sie es mit den Kindern ? Was macht Ihre Kleine, wenn die Mama nun auszieht?“
„Die bleibt erstamol bei iihm, ich koch dena vor , die besuung miich und dann semer weider“
Grandios dachte Margrite. Die Jungfrau von Orleans wagt den Aufstand, sie stellt sich nackt dem Täter entgegen…nur die Kinder….die Kinder bei diesem Elefanten lassen….ja das muß sie selber wissen. Sie weiß. Ich weiß nicht.
Händeschütteln, Terminvereinbahrung, Fensteröffnen. Hart der Wind in diesem November, es roch nach Zimtstangen
vom Markt. Oh Phillippe dachte Margrite, wo bist du, warum kann ich dich nicht sehen, schmecken,
kosten, mich verschlucken an dir? Die Michaelskirche nickte dazu im Takt.
Es läutete, Margrite erschrak. Draußen stand ein Mann im langen Mantel….
Nein, ja, nein, Phillippe…..rief sie.
Er stürmte die Treppen herauf und lag in ihren Armen ,die sie ausbreitete wie die poetische Sonne, die untergeht.
„Oh Margrite“ flüsterte Phillippe während er sie lang und feucht küßte..“ du brauchst, ich spüre es genau, die Energie und die Hektik des Betriebs am Tage, um in Fahrt zu kommen, die Worte zu finden dazwischen, während ich mich tief zurückziehen muss in das Schweigen der Welt einer andern Stadt, von der ich hinausrenne plötzlich und über die Felder renne.. die Wörter einfange, die ich dir zusende in Liebe. Ich stürze mich immer, ja immer in die Fluten der Lust, wenn ich nur an dich denke, denn du willst es immer wieder hören, wie sehr ich dich begehre…ich bin gekommen mit dem Zug, muß gleich wieder weg, nur diese Worte wollte ich dir sagen und dich lieben, so lieben wie ich es schrieb und du nie glaubtest…“
Margrite flohlockte…er war hier, nur wegen ihr, ja er liebte, er liebte. Wie herrlich. Er ist ,ja er ist.
„Oh Phillippe, wie habe ich dich vermißt, du guter, du verrückter Poet meiner Seelenwiese, du Offizier in meiner Schlacht, du Unmensch deiner Verschwiegenheit , du Kannibale meiner Gier…“ sie schluchzte ein wenig , denn es war auch traurig ,was sie dachte und fühlte in diesem Moment. Sie wollte ihm glauben ,sie musste ihm glauben, Die andern Frauen waren unwichtig in diesem Moment. Loslassen nur loslassen und lauschen,
gedächtnislos taumelnd im Wortstrom..
Mir schwinden die Sinne ich vergehe, gehe unter in dir..dachte Margrite während sie ihn hielt.
Es müssen Stunden gewesen sein. Die beliebte Sonne war untergegangen und der Raum poetisch, in dem sie lagen.Ein wenig mystisch. Gar still. Sie hörte nur seinen Atem und spürte seine Hand in ihrem Gesicht. Wie sie es genoß. Nie mehr hergeben. Bleib, bleib….bitte bleib ….
23. November 2009
Briefe
Lieber Phillippe!
Ich glaube mein Geliebter, daß der Absturz nach derartiger Innigkeit im Spiel,das ja Stunden dauert , der Grund ist für meinen inneren zerrissenen Wahnsinn.. Von der Sandstraße bis zur Liebe, einfach monströs und doch so winzig klein. Ich ,jubilierend in deinen Armen und dann heimfahrend in die Kälte und diese grausame tödliche Krankheit, die ich nicht haben will und meine Unperfektheit und dann der Alte, der böse Vater, der mich erniedrigt, aber der dennoch von mir benutzt wurde, der Idiot. Ja, der Absturz. Die mathematische Differenz zwischen der Erkenntnis ,den Traummann gefunden zu haben, der meine Wünsche nicht mehr erahnen muß, weil er es ebenso ist und weil er mein Spiel mit mir spielt. Du wirst der letzte Mann sein, den ich liebe, alles danach kann nur Nichts sein.
Ich glaube die Relativität und die Realität bringen mich um. Du bist mein. Ich bemerke ,ich melde Besitzansprüche an. Wie grotesk. Wie grotesk.
Ich liebe dich so wahnsinnig und weiß manchmal nicht ,ob die Langeweile besser gewesen wäre als dieser Irrsinn.
Du musst auf niemanden eifersüchtig sein, weil ich mich noch nie jemandem so hingegeben habe wie dir. Ohne Worte ohne Scham
Gleich beim ersten Mal. Es gibt niemanden . Es kann keinen geben.Ich brauche nur dich. Allein schon das Adverb ist grotesk.
Lieber tot, als dich in den Armen einer andern. Die Gedichte die ich begonnen habe zu schreiben für dich und die Rosen im Beet werden den andern später zeigen wie eine Liebe in Bamberg verschmolz zwischen Rosengarten und Hain.Nicht mehr denken müssen , nicht mehr die Stunden zählen ,ohne Verdruß dich gehen lassen, das kann nie geschehn, es ist ein Feuer das mich verbrennt, Phillippe.
Phillippe
Ich schick dir
ein Blatt
vom Wolf im Herzen,
das Lied
von den Schafen
und meine
blutrote Liebe.
Löffelweise
stille ich
deine Gier
Du bedankst dich
für das Blatt,
zertrittst das Rosenbeet
am Dom,
scheuchst
die kichernden Tauben,
schreibst kleine Botschaften
in mein Haar
singst das Lied
und gehst.
Ich träume von deiner Hand an meinem Mund.
Margrite
Ma Margrite, ma cherie
Jaja nein nein -es ist alles so wie du schreibst und die Hauptsache: es ist. Sucht und Überlegung, Außersichsein und innerlich bleiben danach, sachlich tun, nennst du es manchmal. Oder nicht?
Ja liebes, Liebes Dir zu sagen ist schön. Die Vereinigung, die Vermischung, die eine Säule bestehend aus zwei bebenden Leibern, Gier sagst Du zündet sie an,ich denke, es ist doch die Liebe, die hinauswill aus dem All.
Du glänzt vor Schönheit weißt du, es ist am besten für mich dich so zu sehen wie du nur ausnahmesweise bist, mir.. du brauchst mich, ich bin deine Rettung dein Abgott von dem du dich Tags darauf wieder emanzipieren willst und schnurrst doch..wieder lachst kicherst und schreist in dein vergangenes Leben zurück.. ich bin frei ich tu was ich will und übertrete deine Angst vergesse sie nimm dich mit in meinen silbernen Größenwahn, wo du im Tal dich weitest auflöst in Nässe und all diese Gegensätze kümmern uns nicht, lassen uns heiß dampfend und erschöpft nicht denken.. das nicht denken mit dir nach den Wortgefechten und den Fingerskizzen an deinem Mund ist ebenso schön wie das andere.. schwer zu verwinden nur die Fremdheit des Alltags, die am Reden des anderen klebt am nächsten Tag, wenn du alles bezweifelst dich selbst bezweifelst deine Lebenslust mit Schmerzen überhäufst und ich dich wieder erwecke mit Scherzen ,brauch nichts zu bereuen nichts .
Ich liege im Hotel in Marseille und warte auf meinen Verleger. Ich übersetze , meine Geliebte, ich übersetze unsern Roman in die französische Sprache. Und ich denke ich muß einiges weglassen von unserm Briefwechsel. Es ist zu intim, zu nah, zu genau. Ich will es ungenauer schreiben , da ich nicht ertrage dass dich jemand so erkennt, wie ich es kann und konnte.
Ich weiß du traust mir nicht, du denkst an die andere Frau mit der du mich gesehen hast. Es ist nichts. Es ist einfach da , aber dennoch nichts. Kein Feuer, keine Flamme , keine Explosion im Gehirn. Du hast mich gefangen mit deinem Netz aus Wahnsinn und einem Irrsinn der den meinen noch übertrifft. Nimm meinen Kopf in deine kleinen Hände wie du es immer tust, wenn ich komme in der nächsten Woche.
Aber bitte, vergiß mich nicht . Ich werde wahnsinnig nervös bei der Vorstellung ,daß ein andrer dich begehren könnte und dich
lieben und zähmen dürfte ,wie ich es tu.
Ich zertrample sie nicht -die Rosen.
Ich schenke sie dir alle und ich schmücke dich, du mein kleines niedliches Fohlen, galoppierst du mir jeden Tag davon und meine Glieder sind müde manchmal vom Einfangen,so müde…
Schlaf schön Liebes …bon soir Phillippe
20. November 2009
Phillippe -Der Poet
Margrite rannte zur Tür, fast atemlos quittierte sie den Brief…jaja er war von Phillippe und sie öffnete den Brief und las diese Zeilen. Es waren Zeilen einer leidenschaftlichen Liebe. Noch nie hatte er ihr soviel Nettigkeiten gesagt….er schrieb für andere dauernd – nur ihr hatte noch nie was geschrieben .
Was las sie da….was oh was..……oh Phillippe ich liebe dich, fuhr es ihr durch den Kopf…aber sie verwarf den Gedanken alsbald, denn sie wollte ihn nicht so richtig lieben wie es eine Frau tut, da er sich dann sicher bald eine andre sucht. Warum bist du so mein Liebster..murmelte sie an der Haustür.
Das Gedicht von Phillippe trug sie laut vor und ihre Patientin verstummte.
Margrite
Bin bald wieder da
Ich juble vor Freude.
So zart bei dir,
weich dein Wort.
Besoffen meine Lust,
eisklar mein Geist.
Unmaskiert
trinken wir
Saft und Milch
von der
guten Mutter
in unserm Film
Du und ICH,
nicht kaputtbar,
schlürfen den Herbst,
sind verzaubert
vom Neuschnee
unsrer Piste.
„Wer ist es, dieser wundervolle Zauberer,der Sie verzaubert? Die Zaubermädchen sind rar gesät, aber die Zaubererlehrlinge treiben hier Unfug“ wütete
ihre Patientin und meinte „des is aber alles ganz schö verwirrend“…Margrite nickte.
Nein sie liebte den einen nicht und den andern auch nicht. Der andre an den sie in letzter Zeit dachte, ist analytisch tätig hat viele intelligente Bücher geschrieben für die Menschen , oder auch das Volk …. in einem halben Jahr oder einem Jahr werden sie neu aufgelegt. Derart Intelligenz ist mir gefährlich aber macht auch Hofffnung. By god macht er mir Hoffnung. Ja,ja.
Keine Angst vor den Worten der andern. „Ich lebe weiter und zähle Schäfchen, dachte sich Margrite und ich will ihn nie mehr sehen, wenngleich er ein guter Typ ist.
Die Stunde war zuende und Margrite verabschiedete sich.
Es dämmerte, die kleine Iphigenie will mich treffen .
Kaum auf dem Grundstück sah sie, dass dasLicht brannte, Iphigenie wartete auf sie. So
zart, so klein, so liebevoll.
Sie strich um Margrites
Beine…“Ach du, meine Kleine, meine Liebe, meine Kätzin. Du gute ,gute Iphigenie…..“
Sie legten sich ins Bett ,umarmten sich und schnurrten beide den Takt der Kirchturmuhr.
18. November 2009
Phillippe in Marseille
Oh Phillippe, wie sehr vermisse ich dich….gegangen bist du ..an einen Ort, den ich nicht finde, wieso hast du diese Stadt verlassen , bist zurück nach Marseille wohl zu deiner Frau oder deiner Geliebten?
Sag, hast du eine Geliebte, eine kleine Squaw mit Mandelaugen und langen braunen Zöpfen?
Margrite seufzte.
Wieso hast du mir keinen Bief hinterlassen…dachte Margrite an diesem Morgen als sie vor ihrer Patientin saß,die ihr erzählte wie grausam die Welt zu ihr war und ist und wie sehr sie dieses Leben verflucht …“wissens, a weng Angst hob ich ghobt, als er mir gsocht hod, dass er a andra hod…“
Margrite nickte und antworte „was macht das mit Ihnen?“…….Schweigen und ihr Gegenüber schluchzte so tief, so leis, so laut und auch so traurig,nein, nicht traurig. Gekränkt eher. War es jetzt ihr Gefühl oder das Gefühl der Patientin , das sie wahrnahm ,an diesem Morgen?? Sie bemühte sich zu unterscheiden, ja gekränkt war sie auch, ja sie war tieftraurig, und er hatte sie im Stich gelassen….aber die Patientin nun, war sie traurig, gekränkt oder nahm sie dieses leicht manirierte Weinen wahr als ihres?
Sie fühlte sich unsicher bei der Arbeit, sie fühlte ein Bauchgrimmen und einen Schmerz im Rücken, der bis hinunter zog in den Unterschenkel …..
„iich ko nimmer schlofn, ich maan ich muß heuln, aber ich konn ned gscheid…“ und dann lachte sie so laut schlug sich auf die Schenkel und meinte „ des kenn ich doch von meim Vadr, der hod mei Mudder a bedrong und meiner Mudder wor des egol..“…..
„Wieso war es der Mutter egal?“ fragte Margrite jetzt zurück, dieses Egal- Sein, daß der andere einen betrügen möge war ihr selbst so fremd und sie fühlte bei diesen Worten auch Wolken aufziehn in ihrem Himmel der Kostbarkeiten in der Tiefe ihres Seelenbrunnens. Die Mutter, ach Mutter, dachte Margrite, du hast mich verlassen, als ich ein Kind war. So lieb warst du ,so sanft und so unnahbar, immer ängstlich und immer wehklagend, ob der Schmerzen des Alltags, die dich bedrohten und denen du entflohst, indem du dich in dein warmes Himmelbett zurückzogst.
„Mei Mudder wolld versorcht sei, verstehns? Sie hod zwa Kinner ghobt und sie wolld eichentlich nimmer erbern. Mei Vodr wor a hoher Beamder aufm Finanzamt und er hod a gerecheldes Geld verdient. Aber er wor so wahnsinnig geizich, so geizig, des glaams ned. Der hod uns Kinner glaa gholdn. Nix hommer gricht. Nix….und etzed grieched iich von meim Mo alles, aber er betrüchd miich…ich hold des ned aus…er hod gsocht, wenn iich wos gecha sei Liebschafd moch, dann konn iich mich a scheidn lossen…aber wissens , mir hom an Eheverdrooch…..do bleibt mir nix..“
Ach ja, dachte Margrite, während die Patientin den Euros hinterherheulte, die wohl gerade dem Main hinuntertrieben in ihren Vorstellungen….durch Geld läßt sich die Liebe kaufen wie immer in jedermanns Leben. Man erkauft damit auch das Hinwegsehen, die Therapeutin, ja auch mich. Ich werde täglich gekauft von Patienten oder deren Männern, die
keine Lust haben, kein Interesse, sich auf ihre Frauen einzulassen, solange dies delegierbar war an andere, an mich…
„Was ängstigst sie am meisten? Der Ehevertrag, oder daß sie alleine sein werden?“ warf Margrite den Ball zurück…..am meisten ärgerte sie, daß Phillippe ohne ein Zeichen zu hinterlassen gegangen war, daß er sie zurückgelassen hatte ohne Worte, wo sie seine Dichterworte doch so liebte. Aber vielleicht wollte er nur den Autor treffen in Frankreich, dessen Bücher er übersetzte…ja laß es so sein…laß es so sein…du Gott wenn es dich gibt…und ihr Kopf schaute in Richtung Bamberger Dom…..hilf mir…..“bitte tu was..“ murmelte sie.
„Was meinen Sie“….Margrite erschrak……die Patientin sah sie fragend an…..“haben Sie gehört…ich bin mittellos, wenn ich mich scheiden lasse..mittellos…..ich habe doch aufgehört zu arbeiten als die Kinder kamen……“ sie weinte erneut…..
Ist Geld denn alles…dachte Margrite…war dies ein Weinen über den verlorenen Luxus ,oder ein Weinen über eine Liebe, die sie verlor? Margrite fühlte sich unbehaglich….“Wieso sind sie nun so traurig?Ist es ihr Lebensstandard,
dem sie nachtrauern ,wenn ihr Mann Sie verließe? Ihre Kinder sind doch groß, oder nicht?“
„versden Sie des ned…? Na sie könna des ned verstehn, sie hom a Erbed und sie müssa sich ned ostrenga, sie grieng
des Geld durch redn…..“ sie wurde wütend und schaute Margrite aufgebracht an.
Na klar, dachte Margrite, ich bekomme alles, ohne mich anzustrengen….Sie schüttelte den Kopf und ließ die Patientin gewähren in ihrem Zorn. Sie war ja eine Reflexionsfläche für sie und vielleicht sieht sie ihre Mutter in mir, die keinen Ehevertrag hatte und den Betrug des Mannes hinnahm ohne zu zaudern, da sie dennoch im Luxus leben durfte, konnte,wollte….
Sie hörte ein Läuten an der Tür….Wer mochte das sein….die Stunde war zuende…….noch schnell die Hand der weinenden Patientin gehalten und und und …….Phillippe……
Der Postbote stand vor ihrem Haus und brachte ein Einschreiben .
15. November 2009
Am nächsten Morgen
„Ich liebe dich sehr, ich bin immer bei dir, ich hab dich gefunden wie eine Höhle meiner Kindheit“ dachte Margrite nach der letzten Nacht, die viel zu kurz war, so ach zu kurz. Sternen hatte es gehagelt auf dem Podest ihrer Liebe und dazu Marienkäfer als Zeichen des Glücks. Schauer überkam sie, sie fror ganz leicht nur und sie merkte diese Sehnsucht, wie ihr Körper sich wand nach diesem Mann, dieser lebendig gewordenen Vision von Traum und Wirklichkeit. Kryptisch, schwer zu verstehen für sie aber
„zwischen uns paßt kein Blatt Papier. Alles was war ist vorbei. Als wäre es nie gewesen.Ich bin bei dir und ich spüre dein Gesicht in deiner Hand und mir wird heiß schaurig wenn ich daran denke….wann seh ich dich, wie kann ich die Zeit halten, anhalten“.
Sie sinnierte gedankenversunken neben Iphigenie. Iphigenie war müde heute, aber sie hatte Thunfisch mit Rind gefressen, das mochte sie früher nie. Ja du, meine Kleine, dachte Margrite, du hast mich genarrt all die Wochen, als du mein Futter verschmähtest. Als ich dich hungern ließ, als du hungrig wurdest nach mir und nach meinen Gaben, seither begehrst du mich und das was ich für dich bereithalte. Zärtlich streichelte sie Iphigenie. Sie öffnete die Augen , schmal der Blick aber neugierig fragend. Jaja, mir geht es gut Iphigenie, ich liebe, ich bin verliebt, ich bin vielleicht ein Narr und aus der Spur ,aber es ist gleichgültig. Es ist ein Lodern in mir,
eine Fackel kleine Zündhölzer unter dem Kleid, die ich trage zu dir, zu Phillippe.Kaufe dem kleinen Mädchen die Zündhölzer ab, damit es nicht friert in diesem Winter im Neuschnee der kalten Stadt, wo keiner sie schützt und beherbergt mit seiner Wärme unter dem Mantel. Oh Phillippe, wo bist du und wo bin ich mit dir? Zwei Züge nebeneinander in der gleichen Spur. Wir rasen dem Sonnenaufgang entgegen, erschießen den Mond und küssen die Sterne.
Der Schlüssel zu uns ist die Zärtlichkeit, weder der Intellekt noch der Körper allein, nein die Zärtlichkeit ,du bist die Wonne meiner Gefühle. Wenn wir so aneinander kuscheln, du mich in den Armen wiegst und hältst, du deine schönste Stimme annimmst, dann bin ich selig, ganz ruhig ich höre das Schweigen der Organe, den Schlaf der Vernunft, ich träume bin in Trance wie du.. dafür lieb ich dich sehr .Ich Keusche , du Lüstling aber dennoch zarter.. denn je.. was sagtest du
„das Geheimnis liegt in deinem weichen Sinn, dein Übersinn im Gesicht ich sah ihn erkannte ihn und liebte ihn sofort..“
Iphigenie schnurrte und schaute Margrite fragend an…was ist mit dir, was hat er dir je getan, dass du so von Sinnen bist, ja so fern bist von dieser Welt? Du hast doch George, der dir die Hand hält in bitteren Zeiten der den Main entlang läuft dich zu bergen von den Schiffen den großen, von denen du stürztest. Er hat dir ein Feuer gemacht hier in der Stube , einen Regenbogen geschenkt einst in diesem Sommer, der so heiß war dass die Mädchen nur Kleider trugen und die Männer nach Luft schnappten.
Margrite spürte dass Iphigenie ungeduldig fragte, aber sie war es leid , immer dankbar sein zu müssen für Vergängliches und finster Vergangenes.
Sie dachte an Phillippe und an seine letzten Sätze gestern abend, als sie sich viel zu früh viel zu schnell zu abrupt, wie ein verbrecherpärchen heimlich trennen mussten unten in der Tiefgarage, wo sie nur vermeintlich meinen konnten ,nicht gesehen zu werden. Die Bamberger waren alle neugierig, sie spähten nach Margrites langem Zopf, den sie meistens trug sie hielten Ausschau nach diesem Dichter, der ein Übersetzer sein sollte und der sich immer in der Gegenwart schöner Frauen aushielt . Boahh ,dachte Margrite, ich kann mir schon denken ,was das Frankenvolk in den Köpfen ausbrütet, wenn sie uns zusammen sehen.
„Dein letzter Satz heute sehr schön, ich werd ihn mir merken“ hatte Phillippe ihr zugeworfen, wie einen Ball aus dem neuschnee durch den er fuhr..“ überhaupt hast du heute mit mir gespielt, aber immerhin hast du plötzlich deinen subjektiven Standpunkt sehr klar gemacht, es geht dir um dich selbst in der Liebe, deine Ängste sind die vor dir selbst und ob du geliebt wirst, geht dich weniger an als die Frage, ob du selbst liebst, lieben kannst.. wenn nicht mehr, wenn das Sehnen weggeht, auch die Gier stirbt, sagtest du, ist alles vorbei.“ seine Stimme war traurig geworden bei den letzten Worten, aber Phillippe fing sich rasch wieder und fuhr fort „Ich fragte mich, ob du das alles wirklich so genau weißt.. aber ich denk jetzt nicht darüber nach, ich glaube an dich, ich weiß nicht warum.. ich erahne in dir etwas wirklich ganz Außergewöhnliches, noch gar nicht Sichtbares, Zukünftiges.. deshalb war ich so bedrückt als du so resignativ geredet hast .. dass du das Lebens schon ganz gern lebst, aber es schon abgeschrieben hast ..eine bodenlose Enttäuschung breitete plötzlich ihren Teppich aus, auf dem wir beide dann vielleicht ein letztes Indianerfeuerchen.. du sprachst oft von the last exit beinah wie Hubert Selby aus der Bronx, auch du kommst aus der Bronx Deutschlands, den kalten Zonen Westdeutschlands“…..“Stimmt schon, Phillippe…wie gut du betrachten kannst“ murmelte Margrite unmerklich.
Iphigenie schaute sie an, als würde sie alles verstehen. Nichts weißt du , nichts mein Kind….dachte Margrite und strich Iphigenie über ihr forsches Köpfchen.“Du Süße, du Süße du….“
13. November 2009
Brief an Margrite
Liebe Margrite,
meine allesgeliebte Blume, meine Schöne, mein Liebes ,mein Schatz,
ich irre umher, wie immer,danke für deine Worte. Manchmal sehe ich gut hinein in dein Köpfchen, dein Herzchen was es denkt und wünscht und wie es von unten belebt wird und sich oben verrennt in Karrierekorridoren und Familienkellern der Unterdrückung und Traumatsierung, ein Elend, das du munter bewältigst, und wie du mich siehst JaJa möglich ist alles ohne Wertung. Die Moral macht alles so krank und kompliziert, das lehrte mich Nietszche mehr als Freud, der aber auch..
Es ist wie es ist..und das Urteil ändert nichts–es ist für das Herrenzimmer, in dem ich meine Zigarren schmauche und meine Verdikte schleudere und sie möglichst in fiktionalen Hüllen verberge.. drum bin ich Kritiker da darf ich urteilen nach Herzenslust, das genügt — damit bin ich den Scharfrichterdienst los fürs Leben, wo ich plansche, mich vergnüge unheimlich gern lache ich bin - musst du wissen- eigentlich Satiriker, ich spotte gern und greife gerne an, um meine inneren Spannungen aufzulösen in Gelächter– darin in dieser Kunst kann ich aber noch viel lernen und durch Temperamente wie dich , meine Kindin, um so mehr.
Aber ich habe heute wieder ein vollen Tag jetzt gleich ein Interview- dauert zwei Stunden- danach einen Text verfassen über Eitelkeiten , die morgen stattfinden.
Zwischendurch rase ich zum Schnapsladen am Michelsberg und hole mir ein kleines Tröpfchen zur Beruhigung und denk dabei an dich mein Kind.
Dein Haar ,deine Augen ,deinen göttlichen Mund. Ich will dich küssen ,dich lieben und doch drängt die Zeit so sehr.
Ich werde mit dem Schnapsverkäufer wieder über den Bamberger Reiter und Uta von Naumburg parlieren und ich werde wohlbeschwingt nach Hause laufen, allein, aber in Gedanken bei dir und deiner zarten Haut.Ach du ,ach du, ach du…….packen möchte ich dich in meinen kleinen Koffer und überall hin mitnehmen .
Das wars fürs erste ,wer weiß vielleicht kann ich dich um halb zwei noch kurz anrufen. wäre herrlich aber ich weiß es noch nicht-ich sehne mich nach dir, nach der Kindin und nach der Frau. Ich liebe das Kind und ficke die Frau .So ist es.
Herrlich wenn du nur ein bißchen stabiler wärst meine süße Maid
also bis bald- bin sehr agiert
Liebe
Phillippe
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