angelikademel

13. Januar 2010

Margrite

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 16:08

 Die Bluse

 

 

 

 

 

 

 

 

Das neue Jahr hatte die Stadt in eine Schneeglocke getaucht. Margrite lief in Winterstiefeln über den Grünen Markt und sah in einem Schaufenster, während sie fror auf die Puppe, und die Bluse, die sie trug.

Die Bluse war weiss, mit einer zarten Knopfleiste in der Mitte ,die nach 5 Knöpfen endete. Das Interessante daran war der Stehkragen am Hals. Die Barbie im Schaufenster hatte unglaublich wohlige Brüste ,die unter einem Spitzenhemdchen unter der Bluse hervorlugten.

 

Margrite hätte eigentlich keine Zeit gehabt. George sollte jeden Moment von der Arbeit heimkommen. Sie wusste, dass er sie überwachte, dass er ihr wieder drohen würde, wenn sie denn von ihm ginge. Seit Phillippe bei ihr geläutet hatte ,war George ruhelos. Er schlief nicht mehr, umkreiste ihr Schlafzimmer wie ein Wolf.Zudem hatte er aufgehört zu essen ,führte ihr täglich vor, wie seine Kleider an ihm hingen, er sich aber dennoch seinem Leid ergeben würde. Er wusste, was ihr Philippe bedeutete und er kramte an ihr, an ihr und ihrer zerrissenen Seele, wie an einem Hemd. Täglich fand sie in jedem Zimmer Liebesbeteuerungen ,aber auch Drohungen, wenn sie ihn denn verliesse. Er wolle sich eine andere nehmen, schrieb er. Das war ihr egal. Sie freute sich sogar. Er wolle sie nicht hergeben schrieb er. Er liebe sie auch wenn ein anderer sie ihm wegnähme. Das ertrug sie nur mit Bauchgrummen. Zusätzlich überfiel sie eine lähmende Angst.

 

Ja, sie traute ihm alles zu, auch dass er sie lieber tot sah,als in den Armen eines anderen.

Ich gehe nicht heim , sagte sie zu sich, ich will diese aussergewöhnlich  erotische Bluse anprobieren.  Mit ihrem roten Mantel ging sie in das hell erleuchtete Geschäft, wo es nach frischem Rosenwasser duftete.Sie trug Stulpen an den Stiefeln und einen bunten Schal. Die Verkäuferin kam ihr entgegen, Margrite lächelte und zeigte auf die Puppe im Schaufenster. „Ach das wird Ihnen sicher gut stehen“ war die Verkäuferin freudig erregt und brachte die Bluse und das Spitzenhemd.

 

Schnell hineingeschlüpft und vor dem Spiegel auf und ab posiert ,lockte Margrite neugierige Zuschauer an. Wie sie sich bewegte , fröhlich in ihr Spiegelbild schaute, mit dieser unschuldig weissen Bluse , die doch so unglaublich sündig an ihr wirkte.

 

Sie bezahlte und schlenderte nach Hause. George wartete  an der Tür auf sie.Johannes  sei da …George sprach unglaublich freundlich , streichelte sie und sagte ..“du bist meine Schöne..“ ..Sie nickte ab und wollte in ihr Arbeitszimmer huschen. Er rannte eilig hinterher und fragte sie ,ob sie mit ihm und Johannes ins Bistro an der Unteren Brücke kommen könnte. Er wolle mit ihr etwas unternehmen und das hätten sie doch früher schon gemacht….sie murmelte unverständlich, dass sie keine Lust hatte, gar keine, aber wirklich keine…er fragte leicht aggressiv nach…warum ,nicht, wieso nicht..ich bin doch dein Mann….

 

Keine Lust auf deine Aggressionen hab` ich, dachte Margrite, zog ihren Mantel über und lief mit Johannes und George durch den quietschenden Matsch, an den hastenden Einkaufstüten vorbei und deren Trägerinnen, die man im Dunkeln und im Schneeflockenmeer kaum erkannte.Sie trug noch die neue Bluse von ihrem Einkauf in der Stadt, fühlte sich, einen dicken Schal um den Hals geschlungen, wie Barbie im Schaufenster.. Es sollte sie wärmen , tat es aber nicht wirklich in der eisigen Stimmung ,mit der sie das Lokal betraten.

 

 

 

Sie setzte sich hin, legte den Mantel ab. Wie schön die neue Bluse war!George schaute ungläubig auf ihre Brüste und forderte sie auf die unteren Knöpfe zuzumachen..“man sieht da alles, man sieht hinein….merkst du das nicht?“

„Nur du siehst es George, dann ist es doch gut“..reagierte sie süffisant.

George wurde unruhig und Johannes wollte wieder schlichten. „Wie siehst du aus…ich finde das unmöglich….will das dein Freund so?“

Margrite grinste und George wurde lauter. Die Menschen im Bistro schauten zu ihnen, es war ganz still im Lokal.

„Sag will er das?“

Margrite schloss den Knopf, aber es entstellte die Bluse und den ganz besonderen Schick. Ausserdem hatte sie keinerlei Interesse ,gerade  George zu gehorchen….Bei Phillippe wäre es schon etwas anderes. Sie wollte George die Bälle nicht mehr zuspielen ,die er einforderte, manchmal mit Gewalt.

 

Bockig sass sie zwischen den zwei Männern mit geöffneter Bluse.

 

Der Imbiss schmeckte brillliant,der Salat war taufrisch. Sie erinnerte sich,wie schön es war , wenn Phillippe sie immer fütterte.Wie ein Kind.

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