18. Dezember 2009
Marseille
Phillippe sass seit Tagen vor leeren Blättern. Er zerriss sie, er beschimpfte sie, er konnte nicht mehr schreiben. Er wusste, dass er Margrite brauchte, dennoch konnte er seine Familie nicht im Stich lassen.
Er erkannte aber auch, dass sich die Stimmung in der Familie sowohl mit als auch ohne ihn nicht unterschied .Es würde ihnen auch ohne ihn nicht besser und nicht schlechter gehen. Nur er knechtete sich täglich in diese bürgerliche Welt der Verantwortung und der Äusserlichkeiten, die er sonst verschmähte.
Letztendlich war er der grösste Bourgoise von allen und schob die Verantwortung für den erwachsenen Sohn vor und die Verantwortung für Isabelle, seine Frau. Er wusste es. Gerne würde er zwei Hochzeiten tanzen, aber ihm war klar ,dass er Margrite brauchte und sie nicht verlieren wollte.
Sie war die erste Frau ,die konsequent war in dem was sie wollte, die erste, die ihn ,so wie er war annahm, ohne dauernd materielles zu fordern . Sie lebte in der Welt wahrhaftig und sie erkannte seine Kluft, die sich öffnete, wenn er über Verantwortlichkeit sprach und die Robe ,die er noch weiter hinter sich herzog.
Warum konnte er nicht mehr schreiben?
Warum sprach er immer weniger mit Isabelle? Sie war ihm fremd geworden , und nichts erinnerte mehr an ihre einstige Liebe..Ob es Liebe war? Nein ,er hatte sie aus einer Verlegenheit heraus genommen, beliebt, bewohnt und beankert.. als er endlich gesettet leben wollte und eben wegen des Kindes, ja wegen des Kindes. Es war ihm so unendlich wichtig.
Margrite war ähnlich ,aber völlig anders, das wusste er. Sie konnte emotional sein, aber genauso zerstörerisch , wenn sie nicht mehr wollte. Er konnte diese Zerstörung in ihr nicht richtig einschätzen, sie machte ihm auch Sorgen.
Er nannte es Sorgen.
Er wusste auch nicht genau, was dieses zauberhafte Wesen von ihm WIRKLICH wollte , wie sehr sie ihn WIRKLICH liebte. Nein, er wusste es nicht, aber er ahnte es. Er hatte schon einmal davon gelesen ,dass es eine solche Liebe geben könnte.
Aber er? Sollte er wirklich diese Robe haben? Er zweifelte, ja er zweifelte. Manchmal bejahte er. Wenn er Isabelle ansah, dann sah er seine ganze Verzweiflung, ein gelebtes Leben und er dachte..sie wird es ohne mich schaffen..aber wenn nicht?
Phillippe schnaufte tief. Isabelle kam ins Zimmer und jammerte schon wieder , wie schlecht es ihr ginge und was sie schon wieder von ihm bräuchte und dass er nie da sei und nie Geld habe und überhaupt…er konnte die Leier nicht mehr ertragen…dennoch hatte sie Recht, aber auch komplett unrecht..
Er schrieb ein kleines Gedicht, schob es verschämt unter seine Mappe, denn Isabelle schaute ihm über die Schulter…fragend und zweifelnd.
Sie ahnte, ja sie ahnte. Wusste sie gar?Vielleicht wäre ihm das gar nicht unrecht, denn es zehrte an seiner Substanz. Bequem zu leben war einfacher, aber auch langweiliger..oh Margrite….dachte er..wie ich dich vermisse…und er schrieb das Gedicht zuende…..las es leise dem Wind und der Morgensonne entgegen:
SEHNSUCHT
Wir gehören zusammen,
verschieben das Beet.
Die Liebe ist unser,
wo die Erde untergeht
Nebeneinander gelegen
den Erdspalt geleckt.
Den Duft geküsst,
die Hand der Kleinen.
Mein Ozean schwimmt
zur Sehnsucht .
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