angelikademel

26. November 2009

Phillippe in Bamberg

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 12:28

Liebe am Michelsberg

 

 

Margrite räkelte sich , während die Patientin Platz nahm. „An schöna gudn morgn..“

Margrite lächelte während sie dem ewig jungen Monolog ihrer hübschen Patientin folgte. Sie erzählte vom letzten Sommer, als das Stroh duftete auf den Feldern und sie noch liebte diesen Gewaltmenschen in ihrem Leben, diesen

Sprudeltransporteur, der ihr dauernd erzählte, wie er andere Frauen an den Türen haben könnte , weil er meinte das mache ihn interessanter in ihrem Herzen. „Des hod mich immer schon genervt..hören Sie?“

Margrite zuckte..“ach ja…was?..“ Sie nickte zustimmend. Genervt hat sie dieser Gockel,der nie einer war und seine Potenz ,die er zu Markte trug. Warum ist sie bei ihm geblieben, warum hat sie ihn nicht mitsamt seinen Sprudelkisten zum Teufel…  Nein, nein , nicht werten, nur spiegeln und reagieren, murmelte die andre Margrite in ihr.

Ach sei still, dachte sich die Analytikerin, ich möchte nicht stets von dir belagert werden mit deinen Schuldgefühlen und Bewertungen du mieses Selbst ohne tragfähige Objektbeziehungen. Verschwinde.

 

„Wie stellen Sie es sich nun weiter vor?“ fragte die Analytikerin und die Patienti lächelte still….“ich moch nimmer, ich hob mir a klaana Wohnung gsucht und do zieh ich erst amol hi..“  „Und die Kinder?“.

„Die könna erst amol bei ihm bleim…“ Es war still im Raum . Margrite grübelte. Wieso war sie so mutig, ließ die geliebten Kinder bei ihm dem Gewaltmenschen? War es der neue Mann in ihrem Leben, der ihr die Jugend zurückbrachte, oder war sie wirklich so verzweifelt, nach Jahren der Knechtschaft und Gewalt?

 

„Wenn es Ihnen damit besser geht, ist das sicherlich für sie in Ordnung. Wie halten Sie es mit den Kindern ? Was macht Ihre Kleine, wenn die Mama nun auszieht?“

 

„Die bleibt erstamol bei iihm, ich koch dena vor , die besuung miich und dann semer weider“

 

Grandios dachte Margrite. Die Jungfrau von Orleans wagt den Aufstand, sie stellt sich nackt dem Täter entgegen…nur die Kinder….die Kinder bei diesem Elefanten lassen….ja das muß sie selber wissen. Sie weiß. Ich weiß nicht.

 

Händeschütteln, Terminvereinbahrung, Fensteröffnen. Hart der Wind in diesem November, es roch nach Zimtstangen

vom Markt. Oh Phillippe dachte Margrite, wo bist du, warum kann ich dich nicht sehen, schmecken,

kosten, mich verschlucken an dir? Die Michaelskirche nickte dazu im Takt.

 

Es läutete, Margrite erschrak. Draußen stand ein Mann im langen Mantel….

Nein, ja, nein, Phillippe…..rief sie.

 

Er stürmte die Treppen herauf und lag in ihren Armen ,die sie ausbreitete wie die poetische Sonne, die untergeht.

„Oh Margrite“ flüsterte Phillippe während er sie lang und feucht küßte..“ du brauchst, ich spüre es genau, die Energie und die Hektik des Betriebs am Tage, um in Fahrt zu kommen, die Worte zu finden dazwischen, während ich mich tief zurückziehen muss in das Schweigen der Welt einer andern Stadt, von der ich hinausrenne plötzlich und über die Felder renne.. die Wörter einfange, die ich dir zusende in Liebe. Ich stürze mich immer, ja immer in die Fluten der Lust, wenn ich nur an dich denke, denn du willst es immer wieder hören, wie sehr ich dich begehre…ich bin gekommen mit dem Zug, muß gleich wieder weg, nur diese Worte wollte ich dir sagen und dich lieben, so lieben wie ich es  schrieb und du nie glaubtest…“

 

Margrite flohlockte…er war hier, nur wegen ihr, ja er liebte, er liebte. Wie herrlich. Er ist ,ja er ist.

 

„Oh Phillippe, wie habe ich dich vermißt, du guter, du verrückter Poet meiner Seelenwiese, du Offizier in meiner Schlacht, du Unmensch  deiner Verschwiegenheit , du Kannibale meiner Gier…“ sie schluchzte ein wenig , denn es war auch traurig ,was sie dachte und fühlte in diesem Moment. Sie wollte ihm glauben ,sie musste ihm glauben, Die andern Frauen waren unwichtig in diesem Moment. Loslassen nur loslassen und lauschen,

gedächtnislos taumelnd im Wortstrom..

Mir schwinden die Sinne ich vergehe, gehe unter in dir..dachte Margrite während sie ihn hielt.

 

Es müssen Stunden gewesen sein. Die beliebte Sonne war untergegangen und der Raum poetisch, in dem sie lagen.Ein wenig mystisch. Gar still. Sie hörte nur seinen Atem und spürte seine Hand in ihrem Gesicht. Wie sie es genoß. Nie mehr hergeben. Bleib, bleib….bitte bleib ….

 

 

 

 

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