Phillippe in Marseille
Oh Phillippe, wie sehr vermisse ich dich….gegangen bist du ..an einen Ort, den ich nicht finde, wieso hast du diese Stadt verlassen , bist zurück nach Marseille wohl zu deiner Frau oder deiner Geliebten?
Sag, hast du eine Geliebte, eine kleine Squaw mit Mandelaugen und langen braunen Zöpfen?
Margrite seufzte.
Wieso hast du mir keinen Bief hinterlassen…dachte Margrite an diesem Morgen als sie vor ihrer Patientin saß,die ihr erzählte wie grausam die Welt zu ihr war und ist und wie sehr sie dieses Leben verflucht …“wissens, a weng Angst hob ich ghobt, als er mir gsocht hod, dass er a andra hod…“
Margrite nickte und antworte „was macht das mit Ihnen?“…….Schweigen und ihr Gegenüber schluchzte so tief, so leis, so laut und auch so traurig,nein, nicht traurig. Gekränkt eher. War es jetzt ihr Gefühl oder das Gefühl der Patientin , das sie wahrnahm ,an diesem Morgen?? Sie bemühte sich zu unterscheiden, ja gekränkt war sie auch, ja sie war tieftraurig, und er hatte sie im Stich gelassen….aber die Patientin nun, war sie traurig, gekränkt oder nahm sie dieses leicht manirierte Weinen wahr als ihres?
Sie fühlte sich unsicher bei der Arbeit, sie fühlte ein Bauchgrimmen und einen Schmerz im Rücken, der bis hinunter zog in den Unterschenkel …..
„iich ko nimmer schlofn, ich maan ich muß heuln, aber ich konn ned gscheid…“ und dann lachte sie so laut schlug sich auf die Schenkel und meinte „ des kenn ich doch von meim Vadr, der hod mei Mudder a bedrong und meiner Mudder wor des egol..“…..
„Wieso war es der Mutter egal?“ fragte Margrite jetzt zurück, dieses Egal- Sein, daß der andere einen betrügen möge war ihr selbst so fremd und sie fühlte bei diesen Worten auch Wolken aufziehn in ihrem Himmel der Kostbarkeiten in der Tiefe ihres Seelenbrunnens. Die Mutter, ach Mutter, dachte Margrite, du hast mich verlassen, als ich ein Kind war. So lieb warst du ,so sanft und so unnahbar, immer ängstlich und immer wehklagend, ob der Schmerzen des Alltags, die dich bedrohten und denen du entflohst, indem du dich in dein warmes Himmelbett zurückzogst.
„Mei Mudder wolld versorcht sei, verstehns? Sie hod zwa Kinner ghobt und sie wolld eichentlich nimmer erbern. Mei Vodr wor a hoher Beamder aufm Finanzamt und er hod a gerecheldes Geld verdient. Aber er wor so wahnsinnig geizich, so geizig, des glaams ned. Der hod uns Kinner glaa gholdn. Nix hommer gricht. Nix….und etzed grieched iich von meim Mo alles, aber er betrüchd miich…ich hold des ned aus…er hod gsocht, wenn iich wos gecha sei Liebschafd moch, dann konn iich mich a scheidn lossen…aber wissens , mir hom an Eheverdrooch…..do bleibt mir nix..“
Ach ja, dachte Margrite, während die Patientin den Euros hinterherheulte, die wohl gerade dem Main hinuntertrieben in ihren Vorstellungen….durch Geld läßt sich die Liebe kaufen wie immer in jedermanns Leben. Man erkauft damit auch das Hinwegsehen, die Therapeutin, ja auch mich. Ich werde täglich gekauft von Patienten oder deren Männern, die
keine Lust haben, kein Interesse, sich auf ihre Frauen einzulassen, solange dies delegierbar war an andere, an mich…
„Was ängstigst sie am meisten? Der Ehevertrag, oder daß sie alleine sein werden?“ warf Margrite den Ball zurück…..am meisten ärgerte sie, daß Phillippe ohne ein Zeichen zu hinterlassen gegangen war, daß er sie zurückgelassen hatte ohne Worte, wo sie seine Dichterworte doch so liebte. Aber vielleicht wollte er nur den Autor treffen in Frankreich, dessen Bücher er übersetzte…ja laß es so sein…laß es so sein…du Gott wenn es dich gibt…und ihr Kopf schaute in Richtung Bamberger Dom…..hilf mir…..“bitte tu was..“ murmelte sie.
„Was meinen Sie“….Margrite erschrak……die Patientin sah sie fragend an…..“haben Sie gehört…ich bin mittellos, wenn ich mich scheiden lasse..mittellos…..ich habe doch aufgehört zu arbeiten als die Kinder kamen……“ sie weinte erneut…..
Ist Geld denn alles…dachte Margrite…war dies ein Weinen über den verlorenen Luxus ,oder ein Weinen über eine Liebe, die sie verlor? Margrite fühlte sich unbehaglich….“Wieso sind sie nun so traurig?Ist es ihr Lebensstandard,
dem sie nachtrauern ,wenn ihr Mann Sie verließe? Ihre Kinder sind doch groß, oder nicht?“
„versden Sie des ned…? Na sie könna des ned verstehn, sie hom a Erbed und sie müssa sich ned ostrenga, sie grieng
des Geld durch redn…..“ sie wurde wütend und schaute Margrite aufgebracht an.
Na klar, dachte Margrite, ich bekomme alles, ohne mich anzustrengen….Sie schüttelte den Kopf und ließ die Patientin gewähren in ihrem Zorn. Sie war ja eine Reflexionsfläche für sie und vielleicht sieht sie ihre Mutter in mir, die keinen Ehevertrag hatte und den Betrug des Mannes hinnahm ohne zu zaudern, da sie dennoch im Luxus leben durfte, konnte,wollte….
Sie hörte ein Läuten an der Tür….Wer mochte das sein….die Stunde war zuende…….noch schnell die Hand der weinenden Patientin gehalten und und und …….Phillippe……
Der Postbote stand vor ihrem Haus und brachte ein Einschreiben .
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