angelikademel

6. November 2009

Margrite

Abgelegt unter: Eine Liebe in Bamberg, Margrite und Phillippe — angelikademel @ 19:12

Short cut

 

 

In ihrem schönsten Kleidchen schleppte sie sich ganz krank und weh  zur Arbeit in der Nähe der Michaelskirche .Sie lächelte und trällerte beim Anblick ihrer traurigen Patientin. Immer , ja immer lächeln, ja immer leben, so schön das Leben so schön alles, sich nicht verraten, sich nicht verkaufen, sich nicht verschenken…nie mehr nie mehr……sie wirkte gequält.

 

„Wie geht es Ihnen………….?“ doch sie hörte nicht zu .Sie war traurig. Sie hatte Phillippe fünf Tage nicht gesehn. Ein Halodri war er, ein Lump ….aber ein Lieber…er konnte so schön Liebes sagen. Manchmal flüstern…ja und lieben konnte er …..nein , nein…er war gefangen in seiner Rolle .  Unmutig war er, trotzig war die Kind`in..jaja, aber klug und wunderbar….ach so wunderbar, so weich und so hart. Die Kind`in kämpfte mit den Tränen

 

Liebt er sie noch, denkt er an sie? Wieso fühlt sie auf einmal so romantisch, sie die Tüchtige, die vom Realen so sehr Geimpfte? Was ist ihr bloß geschehen, wie tief hat er sie angerührt, den Nerv an der Wurzel filletiert? Wie konnte er das schaffen, kann er denn zaubern? Sie spürte wie sie wütend wurde bei der Idee, er könne in ihre bunte Kulisse eindringen, die sie gemauert hatte in all den Jahren der Entbehrung.

 

„Mein Mann betrügt mich …da bin ich sicher“……..“ach sicher,“ dachte Margrite,“was ist schon sicher…?“

„Ein filou ist er ,ein Weiberheld, vor keinem Schurz macht er halt…“ klopft es an ihr Ohr….

Sie nickt….stimmt….so ist es…..“nein, er ist ein wundervoller Mensch…ich liebe ihn so..“   und die Patientin heulte. Margrite sah sich aller psychologischen Fähigkeiten beraubt…..“jaja….das ist doch nicht so schlimm….leben sie doch auch ihr eigenes Leben…jaja ich verstehe daß Ihnen das weh tut…!“

 

Tut es weh, tut es wirklich weh…ach nein, es schmerzt…es schmerzt ,es macht krank, es fiebert in der Brust, es flackert im Leib. „…Will nicht verbrennen, will nicht verglimmen in der Glut…“ flüsterte Margrite hastig vor sich hin….“ich habe Sie nicht verstanden…..?“ Ein fragender Blick, ein offener

Mund , Tränen auf dem Tisch…..

“Nein, nein, es ist nichts…erzählen Sie weiter…“stammelte Margrite..

 

So entsetzlich krank und schwach…will nicht schwach sein…will eine Kerze anzünden….bin barmherzig…ja bin barmherzig……oh Phillippe wann seh ich dich?……“ich werde ihm wieder verzeihn“ meinte die junge Patientin……“ich glaube ich kann ohne ihn nicht atmen nicht, herzen, nicht

leben…“…….so hallte es im Raum und Margrite sah auf…..ja Recht hatte sie, aber ist es gut? Nein es ist nicht gut….oh doch es ist wunderbar……barmherzig will ich sein…..und gütig.

 

Die Michaelskirche läutete zur vollen Stunde.So mundig so klar.

 

Margrite machte das Licht aus.  Sie sah Phillippe, als stünde er vor ihr und fügte ihr die Liebesschmerzen zu.

Was ist das schon…Liebe? Schmerz und Heilung, Wahn und Schönheit, jenseits des Verstandes? Woher kennt sie das Gefühl, das grundlos sie erfasst und überschwemmt? Der Kuß ist  nur ein Instrument, ein Schlüssel, der in Räume führt, die Philipp, so als sei er  blind, wohl neu erfindet.

 

Die Lippe brannte. Ja Phillippe, du spielst die Hauptrolle in diesem Ensemble..und ich

souffliere…manchmal bin ich die Regisseurin mit dem Zeigestab…die Rollen wechseln im Kreis….wenn du Regie führst ,bin ich hilflos..welch neues Gefühl..oder doch ein Empfinden aus alter Zeit.? Ja sie kannte es. Sie erinnerte sich an das Heu im Sommer, das so verführerisch roch ,in das sie sich legte und die Beine zusammenkniff, weil sie mutig war. Die Hände waren schnell, die Beine flink und die Münder so warm ,so voll, so ergriffen und die Worte blumig in diesen Tagen der alten Zeit, so daß die Liebenden Bücher schrieben und sich alles merkten ,um nie mehr zu vergessen diese vermaledeite Lieb`, diesen elendigen Schmerz im Spätsommer

einer Heuernte.

 

Sie rannte heim zu Iphigenie. Ob George heute kommen mag…schoß ihr durch den Kopf…oh ja, laß ihn kommen und den Schmerz trinken und ihr die Hand halten und sie trösten. Eine Wolkenreiterin war sie, eine Sonnenguckerin und eine Sternensammlerin am Horizont….ja George würde sie halten , aber den Schmerz..das Heu und den Duft…nähme er ihn ihr weg?

Sie wußte es nicht…wollte sie es denn? Wollte sie es wirklich…..?

 

Phillippe erschien am Horizont im blauen Mantel, sie vernahm ganz deutlich seine Stimme, der sie verfallen war im Eichenlaub, am Kastanienbaum, wenn der Wind kam und der Regen und die Nebel.

Sie teilten sich die Kostbarkeiten und warfen sich tausend Worte zu und Küsse…so bunte Küsse…bis es warm wurde.

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